{"id":3890,"date":"2016-10-07T17:11:44","date_gmt":"2016-10-07T16:11:44","guid":{"rendered":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=3890"},"modified":"2016-10-07T17:11:44","modified_gmt":"2016-10-07T16:11:44","slug":"bilingualitat-zweisprachigkeit-bilinguismo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=3890","title":{"rendered":"Bilingualit\u00e4t (Zweisprachigkeit)  BILINGUISMO"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Bilingualit\u00e4t (Zweisprachigkeit)<\/strong><\/h2>\n<div class=\"entry\">\n<p>Liebe Anwesende<\/p>\n<p>Liebe Vertreter von Erziehung, Kirchen, Gewerkschaft und Politik<\/p>\n<p>Ich freue mich bei euch zu sein und als Gast bei der Deutsch-brasilianischen Gesellschaft zu sein.<\/p>\n<p><strong> Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>In meinem Vortrag st\u00fctze ich mich auf die eigene Erfahrung und auf wissenschaftliche Ergebnisse \u00fcber Bilingualit\u00e4t (Bilingualismus, bilinguismus). Ich konzipierte ihn als Handlungsanleitung und Anregung f\u00fcr ein gemischtes Publikum.<\/p>\n<p>Die Bedeutung der Bilingualit\u00e4t in einer zunehmend interkulturellen Gesellschaft wird besonders den Schulen sowie Migranten und kulturell gemischten Ehepaaren immer bewusster.<br \/>\n\u201eMeine Heimat ist meine Sprache\u201c sagte der Dichter Fernando Pessoa, der selbst bilingual war. Man k\u00f6nnte dies noch konkretisieren: meine Heimat sind meine Familie, meine Freunde, auch wenn man ein Dissident bleibt mitten in der Welt\u2026<\/p>\n<p><strong>Pers\u00f6nliches:<\/strong> Ich bin monolingual als Portugiesisch-Sprechender aufgewachsen. Danach lernte ich 7 Sprachen dazu. Ich erwarb die Diplome der Philosophie in Lissabon, der Theologie in Deutschland und der Erziehungswissenschaft in Portugal. Ich begegnete mehreren Kulturen und tauchte in verschiedene Welten ein (Familie, in mehreren Gegenden Portugals, Frankreich, Deutschland, Jugendliche, Politik, Religion, Ausl\u00e4nder, Frau und Kinder). Seit fast 27 Jahren bin ich Lehrer f\u00fcr muttersprachlichen Unterricht in Portugiesisch und unterrichte zurzeit portugiesisch an die Uni.<\/p>\n<p>Meine Frau Carola (<a href=\"http:\/\/www.carola-justo.de\/\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.carola-justo.de\/<\/a>) und ich haben uns von Anfang an bem\u00fcht, eine Grundlage f\u00fcr Bilingualit\u00e4t zu schaffen. Zu Hause sprachen wir Deutsch miteinander, ich aber mit den Kindern Portugiesisch. Sie antworteten in den ersten Jahren auch auf Portugiesisch und sp\u00e4ter antworteten sie auf Deutsch. Dann gingen sie auch zum muttersprachlichen Unterricht. Heute beherrschen sie die portugiesische Sprache in Wort und Schrift. In den Ferien in Portugal wird die Schwachsprache f\u00fcr sie von einer Minderheitensprache zur Mehrheitsprache. Der Wechsel erfolgt problemlos. Wir alle sind zufrieden damit. Vielleicht w\u00fcrde unser j\u00fcngster Sohn David lieber vom muttersprachlichen Unterricht in Portugiesisch befreit werden, aber, weil das Leben auch Pflichten und Disziplin beinhaltet, macht er kein Aufstand, wenn er in die \u201ePortugiesische Schule\u201c geht.<\/p>\n<p>Liebe Anwesende, die Bilingualen sind in einer privilegierten Lage und haben eine gro\u00dfe Verantwortung. Die Aufgabe ist nicht nur, unterzutauchen in einer anderen Sprache, sondern in ein Bewusstsein, in einen Ozean der Kulturen, der die andere Kultur erschlie\u00dft und dabei zu einer neuen Dimension des Bewusstseins hinf\u00fchrt, d. h. von einem perspektivischen zu einem aperspektivischen Weltbild. In diesem Sinn empfehle ich Ihnen, sich mit Fernando Pessoa zu besch\u00e4ftigen, der ein typisches Beispiel eines bilingualen Talents ist. (Beckett, Ionesco, Canetti, Chamisso, Conrad). Fernando Pessoa: (Zweisprachig: Portugiesisch-Deutsch): \u201eAlberto Caeiro Dichtungen, Ricardo Reis Oden\u201c bei Fischer. Fernando Pessdoa,(Zweisprschig: Portugiesisch-Deutsch, Englisch-Deutsch): \u201eEsoterische Gedichte, Mensagem, Englische Gedichte\u201c, Fischer. Fernando Pessoa, \/ \u00c1lvaro Campos, Poesias*Gedichte, Ammann Verlag<\/p>\n<p><strong>Motivation:<\/strong> F\u00fcr Kinder, die in unserer immer st\u00e4rker globalisierten Welt mehrsprachig aufwachsen, bietet z. B. die EU ein enormes Potential, besonders auf dem Gebiet der Kultur und der Wirtschaft. Ihre F\u00f6rderung durch Staat und Gesellschaft sollte selbstverst\u00e4ndlich sein. Die riesige Nation Brasilien bietet unendliche M\u00f6glichkeiten, auch f\u00fcr diejenigen, die die portugiesische Sprache lernen, besonders f\u00fcr Bilinguale. Dabei nicht zu vergessen die Gemeinschaft der portugiesisch sprechenden Geschwisterl\u00e4nder. Alle diese Gebiete sind menschlich, wirtschaftlich und kulturell eine Fundgrube. Wie damals die Portugiesen, so brauchen wir auch heute neue Entdecker, Entdecker und F\u00f6rderer des Geistes. Damals sagten die Portugiesen: Wir haben neue Welten der Welt gegeben. Heute w\u00e4re es sinnvoll f\u00fcr uns bilinguale Familien zu sagen \u201e wir geben neue Menschen der Welt\u201c. Machen wir von der Bilingualit\u00e4t eine Berufung. Ja, wir brauchen eine neue Welt mit einem neuen Bewusstsein und damit eine neue Ausdrucksform von Sprache\u2026 Die Kinder sind noch nicht verdorben.<\/p>\n<p><strong> Ein Medium und ein Instrument zu einem neuen Bewusstsein ist die Sprache.<\/strong><br \/>\nDie zweisprachige Erziehung ist nicht einfach, wenn man bedenkt, dass sie ein Entgegenwirken gegen die Entropie, d. h. die Tr\u00e4gheitskraft bedeutet; das Kind f\u00e4llt dann der Bequemlichkeit der Eltern zum Opfer. Die Bilingualit\u00e4t ist nicht selbstverst\u00e4ndlich in einem einsprachigen Milieu, das Resistenz und Vorbehalte hat gegen\u00fcber den Mehrsprachigen.<\/p>\n<p><strong>Die Bilingualit\u00e4t in der Wissenschaft:<\/strong><br \/>\nIn der Fachliteratur benutzen unterschiedliche Forschungsans\u00e4tze verschiedene Kriterien, um zu definieren, was Bilingualit\u00e4t ist, daher gibt es keine verbindliche Definition von Bilingualit\u00e4t. Einige unterscheiden zwischen \u201enat\u00fcrlichem Bilingualismus\u201c (von Anfang an), dem \u201eAdditiven Bilingualismus \u201c (sp\u00e4terer Erwerb) und dem \u201eSubtraktiven Bilingualismus \u201e(Mischform der Zweisprachigkeit).<\/p>\n<p>Man spricht auch von simultanem Bilingualismus (Fr\u00fche Zweisprachigkeit: 2 Muttersprachen, vgl. Wilhelm Grie\u00dfhaber, 1996) wenn der Erwerb von zwei Sprachen vor dem 3. Lebensjahr stattfindet. Sukzessiver Bilingualismus ist der Erwerb einer zweiten Sprache nach dem 3. Lebensjahr (Oft bei t\u00fcrkischen Kindern, die dann im Kindergarten besondere Strategien brauchen). Verteidiger dieser Praxis f\u00fchren das Argument des negativen Einflusses auf die kognitive und sprachliche Entwicklung an, die zu Semilingualismus f\u00fchren w\u00fcrde. Der getrennte Spracherwerb, also erst nach dem 3. Lebensjahr hat aber nicht die Fr\u00fcchte getragen, die die sukzessiven Bilingualisten sich erhofft haben.<\/p>\n<p>Die Wissenschaft kann nicht auf alle Probleme eine einhellige Antwort geben und l\u00e4sst viele Wege offen, manchmal ist sie sogar widerspr\u00fcchlich. Und das ist gut so. Das Leben ist Probleml\u00f6sung. Das Gelingen von bilingualem Spracherwerb h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab: Nach Klein (1985) h\u00e4ngt dies vom Sprachverm\u00f6gen ab (Artikulation, Ged\u00e4chtnis, Kontext Wissen), vom Zugang (F\u00e4higkeit zur Rezeption von Sprache, und M\u00f6glichkeit zum Sprachkontakt) und vom Antrieb (Bed\u00fcrfnis nach Kommunikation und sozialer Integration, Einstellung zur Sprache und ihrem Sprechen). Nat\u00fcrlich sind dazu wichtige Faktoren auch die Einstellung, Motivation, und das Sozialprestige beider Sprachen.<\/p>\n<p>Es wird erkannt, dass die kognitive und sensomotorische sowie soziale Entwicklung des Kindes zu einem bestimmten Grad und Zeitpunkt Schrittmacher der Sprachentwicklung ist (Katharina Meng 1994). William P.Preyer sagt dass die erste feste Verkn\u00fcpfung einer Vorstellung mit einer Silbe oder einem wortartigen Silbenkomplex ausschlie\u00dflich durch Nachahmung zustande kommt. Der S\u00e4ugling versteht Gesprochenes viel fr\u00fcher als er selbst die geh\u00f6rten Laute, Silben nachahmend hervorbringen kann.<\/p>\n<p>K. B\u00fchlers Sprachtheorie ist ein wichtiger Wegweiser f\u00fcr die Handlungstheoretische Linguistik (Psycholinguistik) bez\u00fcglich des Verh\u00e4ltnisses von Sprache und Denken. Nach Piaget ist die kindliche Sprache bis 7 Jahre \u00fcberwiegend egozentrisch. (Wiederholung, Monolog und kollektiver Monolog); die Entwicklung verl\u00e4uft von der autistischen \u00fcber die egozentrische zur sozialisierten Sprache und entsprechend vom Autistischen \u00fcber das Egozentrische zum logischen Denken. Leontjew, Levina, Declacroix erheben Widerspruch dagegen.<\/p>\n<p>Die behavioristische Theorie sieht Spracherwerb als Konditionierung des Kindes durch die Au\u00dfenwelt nach dem \u201cStymulus-Response-Reinforcement-Schema (Pavlov). Das Kind hat nur eine passive Rolle (Hans H\u00f6rmann1991). Dagegen spricht: das Kind wird unsystematisch und unregelm\u00e4ssig f\u00fcr die richtige \u00c4u\u00dferung belohnt.<\/p>\n<p>Trotz umfangreicher Literatur \u00fcber Erstspracherwerb und Bilingualismus im wissenschaftlichen Kontext gibt es auf diesem Gebiet keine anerkannte Erstspracherwerbtheorie weder in monolingualem noch in bilingualem Bereich, meint auch Edgardis Garlin. Der Forschungsgegenstand setzt Interdisziplinarit\u00e4t in Linguistik, Psychologie, Biologie, Anthropologie, Ethnologie, Soziologie\u2026 voraus und eine neue Disziplin: Interkulturelle Kommunikation. Es gibt positive und negative (Vor) Urteile \u00fcber Bilingualit\u00e4t. Die Fachliteratur von Kanada, Amerika und Belgien beurteilen bilinguale Erziehung positiv. In der deutschen Fachliteratur bis 1950 war das Urteil eher negativ (Edgardis Garlin, Bilingualer Erstspracherwerb, 2000)<\/p>\n<p>Die Psycholinguistik aber erkennt die menschliche Sprachf\u00e4higkeit als Anlage zur Mehrsprachigkeit, d.h. die Bef\u00e4higung Sprachen simultan zu erwerben. Man geht davon aus, dass es im menschlichen Gehirn einen verankerten angeborenen Spracherwerbmechanismus (LDA) gibt. In Kontakt mit der Sprache wird dieser automatisch aktiviert, so dass das Kind automatisch sprechen lernt. Schon 1935 sprach Bloomfeld von Bilingualit\u00e4t im Fall, dass beide Sprachen wie eine Muttersprache beherrscht werden, und, dass das Kind von Geburt an mit beiden Sprachen aufw\u00e4chst. Man geht davon aus, dass bis zum Alter von 7 Jahren das kindliche Gehirn s\u00e4mtliche Sprachinformationen \u2013 auch alle fremdsprachlichen \u2013 einfach und leicht in der Region abspeichert, in der auch die Muttersprache liegt. Erst danach \u201eschaltet\u201c das Gehirn um, und man muss Sprachen wie alle anderen Dinge erlernen, besonders durch \u201epauken\u201c. Das Alter des Kindes beeinflusst die Art, wie die Sprache erlernt wird, nicht aber die Leichtigkeit, mit der sie erworben wird, meinen einige wie Jochen Rehbein, (1987,\u201cSprachloyalit\u00e4t in BRD\u201c). Andere sagen: \u201eWenn der nat\u00fcrliche Zweitspracherwerb vor dem 11. Lebensjahr abgeschlossen ist, verl\u00e4uft er besonders erfolgreich\u201c. Die Phonetik wird am besten internalisiert bis zum 6. Lebensjahr.<\/p>\n<p>Gegen diese Auffassung sind die, die eine nativistisch-rationalistische Konzeption zugrunde legen, die mit \u201eS\u00e4tzen\u201c \u00fcber Einzelbeispiele begr\u00fcnden versuchen (Chomsky 1986, Clahsen 1988).<\/p>\n<p>Einige stellen die Mehrsprachigkeit als Problemursache f\u00fcr:<br \/>\n\u2013 Unvollst\u00e4ndiges Erlernen: Mangel bei Schulerfolg bei bilingualen Kindern, Semilingualit\u00e4t ohne Muttersprache<br \/>\n\u2013 \u00dcberforderung und psychische Folgen: Auff\u00e4lligkeiten in der Entwicklung (Stottern verz\u00f6gerte Sprachentwicklung, neigen zur Schizophrenie, Entwurzelung\u2026<\/p>\n<p>Oft wird die Bilingualit\u00e4t verantwortlich gemacht f\u00fcr Tatbest\u00e4nde (positive wie negative), die damit nichts zu tun haben. Oft steht auf der einen Seite hinter einer negativen Bewertung eine v\u00f6lkisch-nationalistische Ideologie (eine Sprache, eine Kultur, eine Nation) und auf der andere Seite, bei den Anh\u00e4ngern einer multikulturellen Gesellschaft, eine positive Einsch\u00e4tzung, die die positiven Aspekte (Vorteile) hervorhebt. Es gibt handfeste Interessen f\u00fcr die eine wie f\u00fcr die andere Theorie (Vgl. Sprachenstreit in Belgien, S\u00fcdtirol, Elsass\u2026).<\/p>\n<p>Was man kontert gegen diese Forscher, ist, dass sie \u00f6konomische und soziale Rahmenbedingungen und Zusammenh\u00e4nge nicht ber\u00fccksichtigen. Die ausl\u00e4ndischen Haushalte geh\u00f6ren zu 78% der Arbeiterschicht an (im Vergleich: 38% Deutsche sind Arbeiter!) Sie machen ein Drittel aller Kinder aus, die in Deutschland staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt (Sozialhilfe) bekommen.<\/p>\n<p>Die differenziertere Forschung kommt zu anderen Ergebnissen:<br \/>\nDie neue Forschung widerlegt die These, dass Zweisprachigkeit eine Quelle kognitiver Retardierung sei. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bilingualit\u00e4t kognitive und sprachliche Entwicklung positiv beeinflusst (Susanne Mahlstedt , \u201e Zweispracherziehung in gemischsprachigen Familien \u201c , 1996).<\/p>\n<p>Die Beeinflussung der Bilingualit\u00e4t auf die Entwicklung h\u00e4ngt nat\u00fcrlich von verschiedenen Rahmenbedingungen ab. Nach Cummins treten positive Begleiterscheinungen auf, wenn beide Sprachen sehr gut entwickelt sind.<\/p>\n<p>Kinder, die fr\u00fchzeitig bilingual aufwachsen, k\u00f6nnen die Sprachen gut trennen und parallel Sprachkenntnisse entwickeln. Entscheidend ist die erworbene grammatische Kompetenz in jeder Sprache. Die F\u00e4higkeiten dr\u00fccken sich vielf\u00e4ltig aus und ver\u00e4ndern sich im Lauf des Lebens. Die bilinguale Erziehung er\u00f6ffnet M\u00f6glichkeiten nicht nur in der Entwicklung, sondern auch f\u00fcr Bef\u00e4higungen, die sp\u00e4ter sehr schwer zu erreichen w\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Der Alltag der Sprache:<\/strong><br \/>\nWir alle benutzen die Sprache mehr oder weniger bewusst\u2026 Sie sagt auch viel \u00fcber uns (Einige nuscheln leise, als ob sie damit um Aufmerksamkeiten betteln wollten, andern t\u00f6nen in die Welt wie Glocken auf einem hohen Turm). Durch die Sprache wurden wir Menschen. Das sollte uns aber von spontanem Reden nicht abbringen. Wir ver\u00e4ndern uns mit der Sprache. Da werden Gef\u00fchle und Gedanken bearbeitet.<\/p>\n<p><strong>Wann ist jemand bilingual?<\/strong><br \/>\nWie dargelegt, gibt es ein Problem der Definition. Man kann sich einigen auf Bilingualit\u00e4t als die F\u00e4higkeit, sich in allen Lebenssituationen m\u00fcndlich oder schriftlich flie\u00dfend in zwei Sprachen ausdr\u00fccken und verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. (F\u00fcr Diebold, A.R 1964 und Pohl, J. 1965 ist bilingual derjenige, der die andere Sprache versteht).<\/p>\n<p>Selten kommt es vor, dass man zwei Sprachen in allen Bereichen gleich stark in Wort und Schrift beherrscht. Wichtig ist das Bewusstsein der Bilingualit\u00e4t, und das unabh\u00e4ngig von der Definition von Bilingualit\u00e4t und wie man den Alltag organisiert. Eine lockere und ungezwungene Sprachloyalit\u00e4t f\u00fchrt nicht zu Zwangsvorstellungen wie Nationalismus.<br \/>\nNormalerweise gibt es bei Bilingualen eine starke und eine schwache Sprache.<\/p>\n<p>Auf dem Lebensweg hat jeder sein Tempo und sein Fahrzeug, einige gehen, andere rennen, andere fahren, andere fliegen\u2026 Beachtenswerter als das Ziel ist der Weg und die Umst\u00e4nde beim Spracherwerb wie z. B. die famili\u00e4re Atmosph\u00e4re (Resonanz des Gesprochenen in der Familie, Freundeskreis\u2026 Ferien in dem Land zu verbringen in Kontakt mit Gleichaltrigen und Spa\u00df haben\u2026 Famili\u00e4re Kontakte wo beide was davon haben. Dann gewinnt auch die Sprache an Sinn und Bedeutung), Umfeld (das Prestige der Englischen Musik kann ein wenig kontrabalanciert werden durch B\u00fccher, CDs in der Sprache, deren Land weit weg ist), Bewusstsein (Einstellungen und Bewunderung f\u00fcr Bilingualit\u00e4t, nicht sich auf den Akzent festnageln, wichtig sind die Erlebnisse in der Sprache).<\/p>\n<p><strong>Rolle der Familie:<\/strong><br \/>\nIn Afrika wird gesagt: \u201cMan braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen\u201d.<br \/>\nBikulturelle Familien m\u00fcssten sich rechtzeitig Gedanken machen \u00fcber den Erwerb der Sprache im fr\u00fchen Kindesalter\u2026<\/p>\n<p>Bilingualit\u00e4t entwickelt sich umso nat\u00fcrlicher, je fr\u00fcher die entsprechende Erziehung beginnt: Sie wird sofort als Kommunikationsmittel erlebt und nicht als Lerninhalt (Jean Petit). Die beiden Sprachen sollten systematisch von zwei verschiedenen Erziehern oder Lehrern angeboten werden. Zur Orientierung gilt das Partnerprinzip: jeder Partner spricht in seiner Muttersprache mit dem Kind. Die Untersuchungen zeigen, dass das Prinzip eine Sprache eine Person bzw. Familiensprache \u2013 Umgebungssprache am besten die Bilingualit\u00e4t f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Im Moment h\u00f6chster Aufregung dominiert nat\u00fcrlich die starke Sprache als Sprache des Gef\u00fchls.<\/p>\n<p>Jede Familie hat einen anderen Lebensrhythmus mit mehr oder weniger Kontakt und Aussprache: je nach Berufsleben und Charakter\u2026 Am Abend kann man aber vieles nachholen (sprechen, lesen, beten) sowie in der gemeinsamen Planung des Wochenendes. Wichtig ist die Liebe des Zusammenseins, die N\u00e4he des Kontakts. Ohne emotionale und sprachliche Zuwendung wird der Spracherwerb erschwert.<br \/>\nVoraussetzung ist auch die Wertsch\u00e4tzung beider Partner f\u00fcr die jeweils andere Kultur. Das setzt einen Austausch- und Lernprozess auf der Basis von Toleranz und Pluralit\u00e4t voraus. Das Schwierigste dabei sind die Vorurteile: unpraktisch, unmittelbares N\u00fctzlichkeitsdenken, wir leben hier, sp\u00e4ter, usw.\u2026.<\/p>\n<p>Bei den Partnern ist zu beachten, dass kulturelle Widerspr\u00fcche angenommen werden, damit die Sprachbremse nicht immer wieder einsetzt. Die Bewunderung und die Begeisterung f\u00fcr die Sprachen h\u00e4ngen sehr zusammen mit der Pers\u00f6nlichkeit der Ehepartner und dem Zusammenhalt. Eine Sprache zum Lieben und die andere zum Schimpfen w\u00e4ren fatal.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man die Sprache sp\u00e4ter lernen. Man nimmt das Auto des Sprachkurses und kommt auch zum Ziel. Sicher aber ohne die Landschaft, die kulturelle Seele, erfahren zu haben\u2026<\/p>\n<p>Spracherziehungsmethode beim Bilingualit\u00e4tserwerb und Typen:<br \/>\nEin methodisches Prinzip des Bilingualit\u00e4tserwerbs, nach Kielhofer und Jonekeit (1983) ist die Funktionale Sprachtrennung d.h. je eine Sprache ist an eine Person gebunden, oder aber an Familie einerseits und Schule andererseits\u2026<br \/>\n\u2022 Eine Person \u2013 eine Sprache (Eine davon Deutsch). Jeder spricht mit dem Kind seine Muttersprache. Das f\u00f6rdert die Strukturierung der phonetischen Sensibilit\u00e4t des Kindes. Wichtig ist aber, dass gern miteinander gesprochen wird ohne Schranken, die jemanden ausschlie\u00dfen. Hier liegen auch die Chance der Bewahrung der eigenen Identit\u00e4t und die M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Partner zum Wiedereintauchen und zur Belebung der eigenen Kindheit (Kinderlieder, Spiele). Mutter- und Vatersprachen werden zur Muttersprache, besonders wichtig f\u00fcr bikulturelle Ehen. Muttersprache ist dann der Ort, wo man f\u00fchlt, wo man tr\u00e4umt, denkt, lebt. Die Muttersprache ist Sprache des Herzens.<\/p>\n<p>Der Funktionale Sprachgebrauch und Sprachtrennung sind direkt, brauchen keine \u00dcbersetzung und vermeiden die Interferenz.<\/p>\n<p>*Ein Elternteil ist deutschsprachig, einer nicht. Familiensprache ist Nichtumgebungssprache. Diese macht Druck.<br \/>\n*Zu Hause kein Deutsch<br \/>\n*Zwei Sprachen zu Hause, Deutsch drau\u00dfen<br \/>\n*Fremdsprache<br \/>\n*Mix<br \/>\n*Zweisprachen in Kita oder Schule<br \/>\n*Andere<br \/>\nWie benutzen die Menschen ihre Sprache?<\/p>\n<p><strong> Familiensprache \u2013 Umgebungssprache:<\/strong><br \/>\nWichtig ist die Sprache zu benutzen, die man fehlerfrei spricht, damit die Unsicherheit nicht weiter gegeben wird. Wo zu Hause nur eine Sprache gesprochen wird, w\u00e4re es dann besonders angebracht, Freunde der Umgebung regelm\u00e4\u00dfig einzubeziehen. Die Kinder kommen dann in Kontakt mit beiden Sprachen in unterschiedlichen Funktionen und Rollen.<\/p>\n<p>Familiensprache und Schulsprache sind oft in Konkurrenz. Die famili\u00e4re Sprache bleibt beschr\u00e4nkt, weil sie die Anregung der Schule nicht bekommt. Wichtig w\u00e4re es, Familiensprache zu Hause und Umgebungssprache drau\u00dfen zu sprechen.<\/p>\n<p><strong> In einer Fremdsprache erziehen?<\/strong><br \/>\nDas Problem liegt in der genauen Beherrschung der Fremdsprache. Ein Kriterium kann sein, ob man in der Sprache denkt (Herzenssprache)? Andernfalls w\u00fcrden die Kinder die Fehler modellhaft internalisieren, was ein Hindernis f\u00fcr sp\u00e4ter darstellen w\u00fcrde\u2026.<br \/>\nDrei Sprachen: Jeder der Eltern spricht seine Sprache und drau\u00dfen wird Deutsch gesprochen. 3 Sprachen sprechen ist keine \u00dcberforderung. \u00dcberfordert sind die Einsprachigen. Zu beachten w\u00e4re, dass eine einsprachige Unterhaltung gef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<p><strong> Strategien<\/strong><br \/>\nRollenspiele oder Handpuppen als Freunde, die eine andere Sprache sprechen. Prinzip: eine Person eine Sprache (nach der Theorie von Grammont). Das kann angebracht werden bei Trennung und l\u00e4ngeren Abwesenheit eines Partners. Eine Puppe kann f\u00fcr eine Person stehen. R\u00e4ume f\u00fcr eine Kultur kann die t\u00e4gliche Gute-Nacht-Geschichte sein; Mahlzeiten; Spiele.<\/p>\n<p><strong> Die \u201eWie bitte\u201c Strategie<\/strong><br \/>\nPapa will, dass sein Sohn mit ihm Portugiesisch spricht:<br \/>\nDavid: Papa, Kann ich mit meinen Freud spielen gehen?<br \/>\n\u2013 Como?<br \/>\n\u2013 Darf ich mit meinen Freud drau\u00dfen spielen?<br \/>\n-Que queres?<br \/>\n-Quero ir brincar com o meu amigo.<br \/>\n-. Sim, claro que podes.<br \/>\nComo?, wie, bitte? passt f\u00fcr beides. Oder \u201eIch verstehe nicht\u201c. Ein anderer Ausweg ist das \u00dcbersetzen, wenn die Kinder etwas von uns wollen! Wie wenn man das Zauberwort Bitte verlangt. Klare Aufforderungen und nicht Spielchen oder ein zu starkes Entgegenkommens, das mehr Schwachheit ausdr\u00fcckt als einen bewussten Wunsch zu vermitteln. Wichtig ist, dass die Kinder nicht sch\u00fcchtern oder unsicher werden.<\/p>\n<p><strong> Schwierige Situationen<\/strong><br \/>\nWo Dritte anwesend sind, ist es ungew\u00f6hnlich, dass man mit jemandem in einer anderen Sprache spricht, weil der Dritte das als Unh\u00f6flichkeit begreift. Das wird den Dritten vorher erkl\u00e4rt und Ausnahmen werden zugelassen.<\/p>\n<p>Entwicklung beim Spracherwerb -Lernprozess des Kindes:<br \/>\nKinder lernen mit den Sinnen. Jedes Kind hat sein Schritttempo. Verstehen und Reden sind ziemlich versetzte Vorg\u00e4nge. Mit zwei Jahren k\u00f6nnen sie schon viel verstehen.<br \/>\nSie fangen mit Lauten an, dann mit Silben \u201eda-da\u201c \u201ema-ma\u201c. Im 2. Lebensjahr kann das Kind schon W\u00f6rter sagen und unterscheidet, dass Mutter und Vater verschiedene Sprachen sprechen. Sie sagen oft das Ende der W\u00f6rter. Die Kinder vergessen so schnell wie sie lernen.<\/p>\n<p>Zwischen 18 und 24 Monaten werden schon zwei W\u00f6rter, die interpretationsbed\u00fcrftig sind gesagt \u201cMama Katze\u201c. Mit zweieinhalb Jahre werden einfache S\u00e4tze gebildet. Eine Entwicklung in den Etappen beim Erwerb der Sprache bemerkt man oft, wenn das Kind eine Sprachregel anwendet in dem Moment, wo eine grammatikalische Ausnahme gibt. Z. B.: (fazi\/fiz), Gemesst f\u00fcr gemessen, getrinkt f\u00fcr getrunken. In dieser Phase sind die Kinder selbst aktiv sch\u00f6pferisch: wagen den Sprung vom \u201enachsprechen\u201c zum \u201eselbstformen\u201c. Das Sch\u00f6pferische braucht nicht gleich korrigiert werden.<br \/>\nMit 3 funktioniert das Umschalten von einer Sprache zur anderen perfekt, und es kommt zum Bilden komplexer S\u00e4tze.<\/p>\n<p>Die Bildung von Fragen hat eine bestimmte Ordnung gem\u00e4\u00df der Entwicklung des Denkens. Die Reihenfolge der Frages\u00e4tze ist: Wo? Was? Wer? Wie? Warum?<\/p>\n<p>Die Denkstrukturen werden je nach Alter gebildet (7, 8, 12 Jahre).<br \/>\nEs gibt zwei Lerntypen von Kindern: Der Analytische beginnt betont mit Bausteinen d.h. Namen. Der Ganzheitliche, d.h.. der sich am Ganzen orientiert, f\u00e4ngt an mit W\u00f6rtern wie \u201eauf\u201c, \u201eab\u201c, \u201ehoch\u201c, \u201emehr\u201c; mit zwei dr\u00fcckt er Gef\u00fchle aus wie: \u201eLili b\u00f6se\u201c.<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Studien belegen, dass bilinguale Kinder nicht sp\u00e4ter als monolinguale Kinder sprechen lernen. In der Forschung macht bei Bilingualen h\u00e4ufig den Fehler, nur eine Sprache zu ber\u00fccksichtigen bei der Beurteilung der Sprachf\u00e4higkeit des Kindes. Damit das Ergebnis jedoch aussagekr\u00e4ftig werden, m\u00fcssten beide Sprachen in die Beurteilung einbezogen werden.<\/p>\n<p><strong> Notwendigkeit von Einbeziehung von Fachleuten<\/strong><br \/>\nEinige Kinder haben Probleme beim H\u00f6ren. Kinder\u00e4rzte und Ohren\u00e4rzte k\u00f6nnen helfen. Logop\u00e4den \/ innen l\u00f6sen Sprachknoten auf bzw. helfen, die Buchstabenlaute genau zu differenzieren und auszusprechen\u2026<br \/>\nIm Internet unter <a href=\"http:\/\/www.tpsls.on.ca\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.tpsls.on.ca<\/a> oder Anregungen des Buches \u201eMit 2 Sprachen gro\u00df werden\u201c von Elke Montanari. (Verteilung von Photokopien) Das stellt ein Hilfe zur Orientierung ob einen Kind zum Hals-Nasen-Ohrenarzt gehen soll oder nicht.<\/p>\n<p><strong> Wie sprechen wir mit den Babys?<\/strong><br \/>\nUnbewusst machen wir es richtig, wenn wir mit Babys anders sprechen. Wir reden h\u00f6her und langsam, mit Kurzs\u00e4tzen und mit \u00fcbertriebener Mimik und Sprachmelodie. Die W\u00f6rter kauen (mit Zunge und Lippen verdeutlichen). So werden die Laute klarer. Das Gef\u00fchl leitet uns richtig. Das ist in der ganzen Welt so. Die Babys nehmen hohe Stimmen wahr. Mit vier \u2013 f\u00fcnf Jahren h\u00f6ren Kinder automatisch damit auf.<\/p>\n<p><strong> Ermutigung f\u00fcr die Sprache \u2013 Lernmotivation<\/strong><br \/>\nIn der Spracherziehung sind eine bewusste Beziehung und der Sprachumgang wichtig f\u00fcr die Lernmotivation:<br \/>\n\u2013 Zuh\u00f6ren und ausreden lassen: Gef\u00fchl, Blickkontakt<br \/>\n\u2013 Ermutigen und Raum geben<br \/>\n\u2013 Hinwendung und Anschauen: den Mund bewegen.<br \/>\n\u2013 Sich zur\u00fccknehmen<br \/>\n\u2013 Loben<br \/>\n\u2013 Den Worten Taten folgen lassen: die Anstrengung belohnen<br \/>\nAnstatt zu korrigieren die Technik des verbessernden Wiederholens benutzen.<\/p>\n<p>Eine andere Technik ist die Anwendung von W-Fragen: Wohin gehst Du? (Pause) nach\u2026.oder\u2026. Oder-Fragen geben dem Kind mehr St\u00fctze.<br \/>\nAnstatt etwas (Wasser) dem Kind ohne W\u00f6rter zu reichen, gibt man es ihm und sagt dabei: M\u00f6chtest du das Wasser?<\/p>\n<p>Die Gef\u00fchle beteiligen: Freude, Beeindruckt werden, Spa\u00df haben. Mit den Sinnen bei der Sache sein und sich fragen: \u201ewas tut er am liebsten?\u201c und das mit ihm mitmachen.<br \/>\nUng\u00fcnstig ist es, wenn die Sprache zum Selbstzweck wird. Hier hilft auch sehr das Vorhandensein von Vorbildern in den Sprachen: ein Lehrer, Spielgef\u00e4hrten, ein Popstar, usw. Das Kind muss am Spracherwerb einen Sinn sehen.<\/p>\n<p>Spielen und gemeinsam B\u00fccher anschauen f\u00f6rdert sehr die Sprachkompetenz der Kinder. B\u00fccher f\u00fcllen auch Wissensl\u00fccken und f\u00f6rdern den Wortschatz.<br \/>\nSpiele: Handpuppen, Lieder, Kim-Spiele: Erraten was sie nicht sehen durch Riechen, F\u00fchlen, Schmecken; Rollenspiele: Markt, Post, Arzt\u2026; Kochen, Bucher; Theater spielen: Kasper, Puppentheater.<\/p>\n<p>Lesen und Schreiben k\u00f6nnen gleichzeitig oder nacheinander erfolgen. Zuerst m\u00fcssen die Unterschiede klar bewusst gemacht werden. \u00c4hnlichkeiten zwischen zwei Sprachen erschweren oft den Spracherwerb. Meiner Erfahrung nach ist es besser, lesen und schreiben in der Umgebungsprache (Schulsprache) zu lernen. Simultan lesen und schreiben lernen in der starken und in der Schwachsprache, st\u00f6ren sich gegenseitig wegen der noch instabilen orthografischen Systeme beider Sprachen. Daher sollte die Alphabetisierung zun\u00e4chst in Deutsch stattfinden und nur mit der Verz\u00f6gerung von einem oder eineinhalb Jahren sollte man mit der Zweitsprache anfangen. Ich habe das System gleichzeitiger und verz\u00f6gerter Alphabetisierung in Portugiesisch w\u00e4hrend 30 Jahren probiert und fand die zweite Vorgehensweise effizienter.<br \/>\nW\u00f6rter werden auch als Bild wahrgenommen wie die Lernforschung feststellte. Vorsicht mit dem verbessern!<\/p>\n<p><strong> Wie lernt das Kind gut Deutsch?<\/strong><br \/>\nDie Sprache ist die Grundvoraussetzung, um aktiv am Leben teilzunehmen. Was man in einer Sprache lernt, kann der anderen n\u00fctzlich sein. Wichtig ist schon zu Hause kein schlechtes Deutsch bzw. schlecht gesprochene Herkunftssprache zu lernen.<\/p>\n<p>Wenn kein Deutsch zu Hause gesprochen wird, dann sind Spielkameraden unersetzlich. Die Kinderkrippe wird f\u00fcr diese Gruppe von Kindern besonders wichtig und dann der Kindergarten. Es gibt viele Modelle von Kinderg\u00e4rten, was es n\u00f6tig macht, sich fr\u00fchzeitig mit diesen Modellen zu besch\u00e4ftigen. Das gilt auch f\u00fcr Tagesm\u00fctter. In Gruppen mit weniger Kindern wird mehr gesprochen. Als Ersatz oder Zusatz k\u00f6nnte ab dem dritten Lebensjahr eine Spielstunde pro Woche mit einem Kind, das mindestens 14 Jahre alt ist, einzuplanen\u2026Es muss Hochdeutsch gesprochen werden. Auch eine Leihoma kann eine Fundgrube sein. Das Kind muss ganze S\u00e4tze auf Deutsch sagen.<br \/>\nDie Eltern sollen bei der Sprache, die sie beherrschen bleiben.<\/p>\n<p><strong> Hausaufgaben<\/strong><br \/>\nIn der Unterrichtssprache. Es w\u00e4re doppelt gelernt, wenn man die Kinder dazu gewinnen k\u00f6nnte, die Hausaufgaben zweisprachig zu machen, wobei sie begleitet werden.<br \/>\nZu Hause eine zweisprachige Umgebung schaffen mit portugiesischen B\u00fcchern, Fernsehen, Freunde\u2026ein Lexikon<\/p>\n<p>Starke und schwache Sprache: Die Kinder lernen, was sie benutzen, was sie brauchen und was sie ber\u00fchren. Zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr hat die Schwachsprache einen sehr schweren Stand, weil die Freunde wichtiger als die Mutter werden (oft Sprachverweigerung); hier hilft die Wahl einer bilingualen Schule, der Muttersprachliche Unterricht und die M\u00f6glichkeit, oft Urlaub im Land der Schwachsprache zu machen. Ein anderes Kapitel w\u00e4re das Problem der Gettogruppen.<\/p>\n<p>Bei Bilingualen gibt es unterschiedliche St\u00e4rken und Schw\u00e4chen in beiden Sprachen. Z\u00e4hlen und Rechnen bis 10 in beiden Sprachen stellt kein Problem dar. Ab dem Kindergarten wird das Deutsche die Z\u00e4hlsprache. Dann entstehen Schwierigkeiten in der Schwachsprache, ab der Zahl 10, weil bestimmte Mentaloperationen an die Schul- und Z\u00e4hlsprache Deutsch gebunden bleiben. Deswegen empfehlen viele Wissenschaftler (Bernd Kielh\u00f6fer \/ Sylvie Jonekei) Rechnen und Mathematik vom Sprachwechsel auszunehmen. Auch in bilingualen Schulen soll dieses Fach in einer Sprache von Anfang bis zu Ende unterrichtet werden und nicht epochal abwechseln.<\/p>\n<p>Es gibt Zweisprachige, die zu der Kategorie \u201eProduktive Mehrsprachige\u201c geh\u00f6ren, sie sprechen in beiden Sprachen flie\u00dfend. Die \u201eRezeptiven Mehrsprachigen\u201c aber dr\u00fccken sich vielleicht nur in einer Sprache aus. Das bedeutet nicht, dass sie die andere Sprache nicht k\u00f6nnen. Sie sprechen und antworten nicht, aber oft handeln sie nach dem Gesprochenen, und dadurch zeigen sie, dass sie verstehen. Diese Gruppe braucht besonders das Lob. Die Eltern sollten auch wenn sie keine Resonanz bekommen, weiter in der Sprache sprechen: Es ist nicht wichtig, was die Kinder mit 4 Jahren in beiden Sprachen \u00e4u\u00dfern. Es hat Zeit. Manche bringen eben angenehme \u00dcberraschungen sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Die Verweigerung zu sprechen bzw. zu agieren ist ein reales Problem. Eine Sprache als minderwertig zu halten kann zur Sprachverweigerung f\u00fchren (Konformismus). Der Sozialstatus \u00fcbertr\u00e4gt sich auf das Prestige der Sprache. Es gibt unter anderem auch emotionale Gr\u00fcnde durch ein gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zu einem Partner. Konfliktstoff in bikulturellen Ehen dr\u00fcckt sich oft in interkulturellen Spannungen aus und f\u00fchrt oft zur Sprachverweigerung bei den Kindern. Auch die Einstellung der Familie gegen\u00fcber dem Umfeld kann zur Sprachverweigerung f\u00fchren. Bedingtheiten: Prestige, Einstellung der Umwelt, Freundschaften, Reisen, Lebenssituationen und Zug\u00e4nglichkeiten von B\u00fccher, Kassetten, TV\u2026<\/p>\n<p>Die Verweigerung kann eine Frage von Kompetenz und Performanz (d. h. von K\u00f6nnen und Ausf\u00fchren) sein. Man kennt das Ph\u00e4nomen, dass man etwas sagen will, es \u201eliegt auf der Zunge\u201c und kommt nicht raus.<\/p>\n<p>Was tun bei Ablehnung bzw. Verweigerung? Das soll nicht als Zur\u00fcckweisung aufgenommen werden. Die Kinder orientieren sich an einer Norm. Zur Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit geh\u00f6rt auch sich von Eltern abzugrenzen. Die Mechanismen zur F\u00f6rderung des eigenen seelischen Haushaltes bei den Kindern sind variabel und eigen. Nicht aufgeben. Wir sind alle in einem kontinuierlichen Ver\u00e4nderungsprozess. Manchmal reicht es die Ferien allein mit Gleichaltrigen zu verbringen um eine Gewohnheit zu unterbrechen.<\/p>\n<p><strong> Sprachmischungen<\/strong><br \/>\nDie Sprachen im Kontakt miteinander beeinflussen sich gegenseitig. Dabei entstehen oft Sprachmischungen und Interferenzen. Nirgendwo gibt es aber einen Nachweis von pathologischen Erscheinungen. Bei Sprachmischungen von Bilingualen tauchen folgende Techniken beim Sprechen auf: das Einf\u00fcgen einzelner Elemente, das Umschalten auf die andere Sprache zwischen zwei S\u00e4tzen und mitten im Satz. Es gibt Wissenschaftler, die das gut finden und meinen, dass \u201enur die Zweisprachigen, die beide Sprachen sehr gut beherrschen, den Mut haben zu solch wagemutigen Konstruktionen\u201c(Prof. Poplack), w\u00e4hrend andere wie Prof. Weinreich das Gegenteil meinen: \u201eDer beste Zweisprachige wechselt nicht\u201c. Mischungen werden normalerweise in einer einsprachigen Gesellschaft als Fehler, als Reparatur angesehen. Bilinguale leihen sich W\u00f6rter oder richten die Sprachwechsel nach den Personen, nach Themen oder Situationen. Manchmal findet der Code-Wechsel aus Bequemlichkeit statt\u2026 aus Genauigkeit\u2026 manchmal als Stilmittel, manchmal unbewusst. \u201eUnter zwei konkurrierenden Prinzipien ( Partnerprinzip und \u00d6konomieprinzip) setzt sich die Ausdrucks\u00f6konomie besser durch\u201c (Bernd Kielh\u00f6fer\/Sylvie Jonekei, \u201eZweisprachige Kindererziehung\u201c)<\/p>\n<p>Sprachmischungen sind zu beheben durch konsequente funktionale Sprachtrennung der Eltern. Sprachmischungen sollen nicht zur Mischsprache werden. (Semilingualit\u00e4t = Halbsprachigkeit). Migranten haben oft zwei Schwachsprachen mit fatalen Konsequenzen f\u00fcr die Schulentwicklung und den Lebenslauf.<br \/>\nObwohl die F\u00e4higkeit, zwei Sprachen zu mischen die Ausdrucksm\u00f6glichkeiten und den Stil bereichern kann, wird die Sprachmischung von der Gesellschaft oft als Fehler oder Wissensl\u00fccke gewertet, vor allem in der Schule.<\/p>\n<p><strong> Interferenz<\/strong><br \/>\nInterferenz ist \u00fcblich in der Rede des Zweisprachigen. Der Zweisprachige greift \u201espontan in Sprachnot\u201c auf Strukturmuster der anderen Sprache zur\u00fcck, um L\u00fccken zu f\u00fcllen. Faktoren von Interferenz sind: Konzentrationsmangel, M\u00fcdigkeit, Stress, Vorbilder\u2026 Beispiel: Sou 4 anos anstatt tenho 4 anos. P\u201chaspiriert\u201c-p\/b, a\/e, fh\/v\/w. Die deutsche Syntaxordnung anstatt der portugiesischen Subjekt +Dativ Objekt.+ Akkusativ Objekt. Hier findet \u201e\u00dcberlagerung der unterschiedlichen Regeln beider Sprachen\u201c statt. (Leist, Anja,1996 ) Z. B.: \u201eich gebe Birnen der Mutter\u201c anstatt: \u201eich gebe der Mutter Birnen.\u201c<\/p>\n<p>Bei Sprachkontakt und Interferenz, \u201efindet der Kontakt nicht in Sprachspeicher statt, sondern in eine Folge von Abrufstrategien. Der Kontakt w\u00fcrde dann auf dem Weg von Sprachspeicher zur Sprachrealisoerung stattfinden.(Kielh\u00f6fer).<\/p>\n<p>Wer von Geburt an mit einer zweiten oder dritten Sprache aufw\u00e4chst, hat auch die Grammatik mit internalisiert. Die Eltern sollten sich dessen bewusst werden und gleich von Anfang an bei der gew\u00e4hlten Sprache bleiben. Druck im Umgang beim Sprechen ist wie Sand in Getriebe.<\/p>\n<p><strong> Bilanz<\/strong><br \/>\nHauptmerkmale zur Prognostizierbarkeit von Erfolg oder Misserfolg in der bilingualen Erziehung sind die ethnische Identit\u00e4t und das Sprachprestige. Wenn man die kulturelle Identit\u00e4t in der Familie positiv bewertet, tr\u00e4gt das wesentlich zum Gelingen der Zweisprachigkeit bei.<\/p>\n<p>Sprachprestige kommt von drau\u00dfen, d. h. von der Gesellschaft und wirkt auf die Einstellung von Eltern und Kindern und interagiert besonders mit der ethnischen Identit\u00e4t und dem Selbstbewusstsein. Das Gelingen von Bilingualit\u00e4t h\u00e4ngt wesentlich von der Einstellung zur Bilingualit\u00e4t ab. Auch die positive oder negative Einstellung der Eltern und Erzieher bez\u00fcglich Sprachentwicklung bestimmt \u00fcber Erfolg oder Misserfolg ihrer Spracherziehung. Erziehungsmethoden, Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale der Eltern und ihr Bewusstsein sowie das emotionale Verh\u00e4ltnis zum Kind sind bestimmend f\u00fcr die bilinguale Erziehung und ihr Ergebnis. Bilingualit\u00e4t erm\u00f6glicht den Erwerb der beiden Sprachen ohne M\u00fche. Oft tauchen Probleme bei perfektionistischen Anspr\u00fcchen bez\u00fcglich des Erlernens der Schwachsprache auf. Auf keinen Fall soll der Erwerb der Zweitsprache auf Kosten der ersten geschehen. Tolerierung von Interferenzen und Sprachmischungen schaffen eine bessere Atmosph\u00e4re beim Erwerb der Sprache. Je st\u00e4rker die beiden Sprachen sind, desto besser f\u00fcr die kognitiven F\u00e4higkeiten der Bilingualen. Es ist noch nicht klar untersucht worden, welchen Anteil die Sprache am Wahrnehmungs- und Denkprozess hat und wie stark unsere Welt- und Wirklichkeitsanschauung durch die Mutersprache bestimmt wird. Es gibt kontr\u00e4re Auffassungen: \u2013 Die Idealistisch-romantisch Sprachauffassung (mit Namen wie Herder und Humboldt, Weisberger, Trier\u2026) vertritt eine Enhheitssprachenideologie. Sie spricht von Orientierungslosigkeit und von fehlender Verbindlichkeit bei Bilingualen.<\/p>\n<p>Die rationalistische Sprachauffassung (Descartes, Leibnitz, Chomsky\u2026). F\u00fcr sie bildet die Sprache nicht die Welt ab, sondern sie denkt und vermittelt sie in \u201egeistigen Zwischenwelten\u201c(Weisgerber). Das Weltbild der Muttersprache fixiert demnach Wirklichkeitsbilder und pr\u00e4gt unsere Wahrnehmung und unser Denken. Mutersprache lernen hei\u00dft immer auch deren Weltbild und Kulturnormen zu \u00fcbernehmen, was f\u00fcr sie Schizophrenie bedeutet. Ein Beispiel dagegen: beim Lernen des Begriffs Brot, Pain, p\u00e3o gibt es keine Desorientierung, aber verschiedene Erfahrungen mit der Realit\u00e4t Brot in den drei L\u00e4ndern, was nicht zur Doppelz\u00fcngigkeit f\u00fchrt. \u201eIm Gegenteil, eine solche Erfahrung emanzipiert von der Sprache, sie vermittelt die wichtige Einsicht, dass W\u00f6rter und Dinge der Wirklichkeit nicht identisch sind\u201c. Zweisprachige lernen fr\u00fcher die Relativit\u00e4t der W\u00f6rter. Dadurch werden sie bikulturell. Es gibt nicht das Weltbild der Muttersprach,e sondern konkurrierende Weltbilder. Auch andere nicht sprachliche Kategorien bestimmen unsere Wirklichkeit und Kultur. Die Sprache wird als Instrument des Denkens und des Wahrnehmens gesehen. Zweisprachige verf\u00fcgen \u00fcber 2 Instrumente und a priori nicht \u00fcber 2 Weltanschauungen, 2 Identit\u00e4ten und 2 Denkweisen, wie Bernd Kielh\u00f6fer \/ Sylvie Jonekei fesselt. Wir sind nicht in der Sprache \u201eeingesperrt\u201c, weil wir \u00fcber die Sprache sprechen k\u00f6nnen. Bestimmte Dinge k\u00f6nnen in bestimmten Sprachen nicht gesagt werden, eben weil die Dinge hier nicht existieren. Zweisprachige haben den Zugang zur Bikulturallit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong> Kindergarten<\/strong><br \/>\nEs gibt viele Modelle von Kinderg\u00e4rten und viele Schulen, die sich um die Umsetzung von p\u00e4dagogischen Konzepten k\u00fcmmern, die die Bilingualit\u00e4t ber\u00fccksichtigen. Im Kindergarten wird dem Kind die Chance gegeben, neue Eindr\u00fccke auf Deutsch auf der Reise der Weltentdeckung zu bekommen. Neue Anregungen, neue Strukturen, neue Begriffe, neue Aktivit\u00e4ten, neue Menschen pr\u00e4gen sich ein. Die Kinder wollen dann oft nur die Umgebungssprache sprechen. Die Herkunftssprache ruht dann, aber wird erweitert durch das systematische Lernen der anderen Umgebungssprache. Als Kompensation ist eine Reise in das Herkunftsland der Eltern, bzw. der Schwachsprache f\u00e4llig.<\/p>\n<p>Es gibt Kinderg\u00e4rten, die die Kinder in Sprachgruppen unterteilen. Die Kinder sprechen in der Gruppe aber Deutsch mit der M\u00f6glichkeit, ihre Erstsprache zu verwenden. In diesem Fall soll die Subgruppe nicht zu gro\u00df sein und keine Cliquenbildung erm\u00f6glichen. Dabei taucht das Problem der Isolation einzelner Kinder auf. Wichtig sind die Aktivit\u00e4ten der Gesamtgruppe in deutscher Sprache. Aufl\u00f6sungen von Cliquen sollen sp\u00e4testens in den Aktivit\u00e4ten der Gesamtgruppe erfolgen.<\/p>\n<p>Bei der p\u00e4dagogischen Umsetzung gibt es Kinderg\u00e4rten, die 13 Stunden Franz\u00f6sisch \/ 13 Stunden Deutsch in der Woche praktizieren. Damit die Kinder die Sprache in verschiedenen Situationen \u201cerleben\u201d, gibt es 2 Lehrer zur klaren Identifizierung der beiden Sprachen.<\/p>\n<p><strong> Unterricht \u2013 Wo und Wann?<\/strong><br \/>\nDer Unterricht findet normalerweise statt als Fremdsprachenunterricht und muttersprachlicher Unterricht.<\/p>\n<p>Als Fremdsprachen werden in Deutschland normalerweise Englisch, Franz\u00f6sisch, Latein, manchmal Russisch gelehrt. In den h\u00f6heren Klassen begegnen wir auch Spanisch, Italienisch, T\u00fcrkisch und Neugriechisch. In der vertikalen kurrikularen Organisation der Schule nach F\u00e4chern wird immer mehr ein sprachen\u00fcbergreifender Unterricht verlangt, der wegkommen soll von der Zielsprachendidaktik hin zur Didaktik der Mehrsprachigkeit. Stichw\u00f6rter: Europ\u00e4ische Dimension und das Spracherwerbstheoretische Argument der Unteilbarkeit des Sprachenlernens in der Kognition des Individuums (Erziehung zur Mehrsprachigkeit: integriert die vorhandenen Sprachen und Wissensbest\u00e4nde in der Schule). Das setzt eine interkulturelle P\u00e4dagogik voraus, die ressourcenorientiert ist. Sie sieht nicht vorrangig die Probleme, die sich durch die Zugeh\u00f6rigkeit zu unterschiedlichen Kulturen ergeben, sondern die Potentiale, die darin liegen.<\/p>\n<p><strong> Herkunftssprache \/ Muttersprachlicher Unterricht<\/strong><br \/>\nIn Deutschland ist der MU kurrikular mit dem Regelunterricht abgestimmt. Es wird in 19 Sprachen unterrichtet. Normalerweise findet er am Nachmittag in einer Zentralschule statt. Kinder sprechen manchmal von einer Zusatzbelastung. Meiner Erfahrung nach, gehen sie gerne zum MU, weil sie dort auch Freundschaften schlie\u00dfen. Ab der 6. Klasse konnte ich weniger Begeisterung beobachten, die dann ab der 9. wieder kommt. Die meisten Kinder empfinden ihre Zweisprachigkeit als eine Bereicherung, die f\u00fcr Beruf und Lebensplanung neue Perspektiven er\u00f6ffnet. Motivation und das Selbstbewusstsein, in der Sprache zu kommunizieren, wird gef\u00f6rdert durch Fehlertoleranz in einer angstfreien Atmosph\u00e4re. Europ\u00e4ische Richtlinien\u2026<\/p>\n<p>Fremdsprachlicher Fachunterricht nach Epochen in einigen Gymnasien: Erdkunde auf Spanisch dann wieder auf Deutsch. Andere Modelle bevorzugen durchg\u00e4ngig ein Fach. Die Fremdsprache wird zur Normsprache.<\/p>\n<p>Samstagsschulen: Privat organisierter Unterricht: Norwegisch, Chinesisch, Russisch, Japanisch und Koreanisch.<\/p>\n<p>Schulformen besonders geeignet f\u00fcr Bilinguale:<br \/>\nDas deutsche Schulsystem ist monolingual ausgerichtet. Eine migrationssensible Erziehung setzt eine interkulturelle Kompetenz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen voraus.<\/p>\n<p>Auf der Handlungsebene sind vor allem F\u00e4higkeiten der Empathie, der Rollendistanz, der Ambiguit\u00e4tstoleranz sowie besondere kommunikative Deutungs- und Aushandlungskompetenzen erforderlich. Eine solche interkulturelle Kompetenz zu erwerben, muss k\u00fcnftig immer mehr Anstrengung in der Aus- und Fortbildung und mehr Einbeziehung der Bilingualen erfordern (: vielf\u00e4ltige Sprachkenntnisse sichert schulischen und beruflichen Erfolg).<\/p>\n<p>Mehrsprachige Schulen bieten viele Vorteile. Problem: L\u00e4ngere Schulwege.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Schulbezeichnungen verbergen unterschiedliche Inhalte.<br \/>\n1. Internationale Schulen (International School): Erm\u00f6glichen Abschlusse, die weltweit anerkannt sind (f\u00fcr Diplomaten\u2026die von Land zu Land ziehen). Sehr gute p\u00e4dagogische Angebote und viele Sprachen. Sind aber sehr teuer.<br \/>\n2. Europ\u00e4ische Schulen (www.eurs.org.): F\u00fcr die Kinder von EU-Beh\u00f6rdenangestellten (F\u00fcr sie sind sie kostenfrei). Alle Kinder werden vom Kindergartenalter an zusammen unterrichtet. Hier erlangen die Sch\u00fcler das Europa-Abitur. Die Zweitsprache ist Franz\u00f6sisch, Englisch und Deutsch. Sp\u00e4ter kommen noch 2 Sprachen dazu. (in Karlsruhe, M\u00fcnchen und Frankfurt\/M.)<br \/>\n3. Europaschulen und Schulversuche an staatlichen Schulen:<br \/>\nIn Zusammenarbeit mit Konsulaten und oft auch mit Vereinen wird in staatlichen Schulen ein Klassenzug bilingual ausgerichtet: deutsch-portugiesisch; D-Sp, D-T; D-I.<br \/>\nDabei gibt es in der Regel 2 Klassenlehrer: einer deutschsprachig und der andere portugiesisch\u2026 Die Klassenzusammensetzung und die Zweisprachigkeit des Unterrichts erm\u00f6glichen einen interkulturellen Dialog und das von einander lernen.<br \/>\nIn Berlin werden diese Schulen (17) \u201eStaatliche Europaschule Berlin\u201c genant. In diesem Konzept werden zwei Partnersprachen als Arbeitssprachen genutzt, wo der Unterricht nach dem Modell der Immersion, d. h. dem Eintauchen in die Sprache und Kultur (Zydati\u00df 1997) stattfindet. Durch 2 verschiedensprachige Lerngruppen in der Klasse geschieht ein gegenseitiges Eintauchen in die Partnersprache. Diese Modelle sind besonders geeignet f\u00fcr die bildungsn\u00e4heren Schichten.<br \/>\nNicht alle Europaschulen sind zweisprachig, aber wenigstens setzen sie sich besonders ein f\u00fcr interkulturelles Lernen. Vgl.: <a href=\"http:\/\/www.dipf.de\/dipf\/bildungsinformation_iud_eudok_schul_list.htm\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.dipf.de\/dipf\/bildungsinformation_iud_eudok_schul_list.htm<\/a>.<br \/>\nInformationen bei Schul\u00e4mter, Konsulate und Botschaften.<br \/>\n\u00dcber Unterricht, Schulen, usw. auf deutsch, Englisch und Franz\u00f6sisch unter: <a href=\"http:\/\/www.bildungsserwer.de\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.bildungsserwer.de<\/a><br \/>\nSchulen mit bilingualem Angebot: <a href=\"http:\/\/lernen.bildung.hessen.de\/bilingual\/schul-verveise\/schulen\" rel=\"nofollow\">http:\/\/lernen.bildung.hessen.de\/bilingual\/schul-verveise\/schulen<\/a><\/p>\n<p>In NRW gibt es 140 Schulen mit bilingualen Klassen, in denen die Fremdsprache als Arbeitssprache in anderen F\u00e4chern und Lernbereichen eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Es gibt Kritik an den Versuchen, Mehrsprachigkeitskonzepte vertikal und additiv allein von einzelnen Schulfremdsprachen her zu denken. F\u00fcr die Kritiker wird die Realit\u00e4t der Mehrsprachigkeit nicht wahrgenommen, weil nur bi-nationale und bi-kulturelle Paradigmen des Lernens unterst\u00fctzt werden. Grosjean hat 1989 die Fachwelt aufmerksam gemacht auf ein neues Verst\u00e4ndnis von Mehrsprachigkeit. Bis seiner Arbeit von 1989 wurde Bilingualit\u00e4t nicht als etwas Eigenst\u00e4ndiges wahrgenommen. Es wird die Forderung gestellt, Bilinguale nicht als zwei Monolinguale in einer Person mi\u00dfzuverstehen. Bis jetzt wurde aber noch kein ausgereiftes diagnostisches Verfahren vorgelegt, das Bilingualit\u00e4t in seiner Eigenst\u00e4ndigkeit erfasst und nicht auf den Vergleich mit Monolingualit\u00e4t reduziert.<br \/>\nInterkulturelles Lernen ist kein blo\u00dfes Schlagwort, sondern ein integraler Bestandteil der Bildung und nicht zuletzt eine Forderung Europas.<br \/>\nIn der EU gibt es f\u00fcr die Schulen das \u201eEurop\u00e4ische Portfolio der Sprachen\u201c, das Lernschritte in allen Sprachen dokumentiert und die Entwicklung von Mehrsprachigkeit belegt.<\/p>\n<p><strong> Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ab 1960 wurde gezeigt, dass Zweisprachige intelligenter sind als Einsprachige (Lambert 1962, Balkan 1970 und SAUNDERS, George. \u201eBilingual children: From birth to teens\u201c 1988). Zweisprachige lernen besser Sprachen und sollen toleranter, offener, flexibler, anpassungsf\u00e4higer und intelligenter sein als Einsprachige. Sie sind optimale Dolmetscher mit automatischer Umschaltung. Ihre \u00dcbersetzungen sind situationsangemessen und idiomatisch treffend; selten \u00fcbersetzen sie wortw\u00f6rtlich. Kinder mit zweisprachiger Erziehung nach der Grundschule k\u00f6nnen allgemein bessere Schulergebnisse erzielen; sie sind bessere Leser, weil sie sich beim Lesen mehr auf den Sinn als auf den Klang konzentrieren, sie erlernen leichter weitere Fremdsprachen, sind kulturell interessiert und offen f\u00fcr Begegnungen die Toleranz f\u00f6rdern, sie entwickeln fr\u00fch die F\u00e4higkeit zur Abstraktion, sind intellektuell wendig und entwickeln viele verschiedene Lernstrategien.<\/p>\n<p>Kinder werden sp\u00e4ter kein Verst\u00e4ndnis haben, dass wir ihnen eine Sprache vorenthalten haben. Mehrsprachige Erziehung bedeutet M\u00fche f\u00fcr Eltern und andere Angeh\u00f6rige, aber auch gro\u00dfe Freude und angenehme \u00dcberraschungen. Fangen wir fr\u00fchzeitig damit an. Es ist wichtig, das latente sprachliche Potential spielerisch zu f\u00f6rdern.<br \/>\nBilinguale haben ein Zuhause und dieses ist die Welt. Sie haben eine erweiterte Ausgangssituation und eine emanzipatorische Erfahrung.<br \/>\nHier m\u00f6chte ich an den Anfang ankn\u00fcpfen: Wir brauchen eine neue Welt! Sie sind von den \u201eunerw\u00fcnschten Nebeneffekten\u201c der postindustriellen Modernisierung \u00fcberdurchschnittlich stark betroffen. Wir hoffen mit unserem bilingualen Beitrag zur Gesellschaft und zur Welt mehr \u201epragmatische Idealisten\u201c zu f\u00f6rdern. Bilinguale bringen Voraussetzungen wie Interkulturalit\u00e4t, Toleranz, Festigkeit und Flexibilit\u00e4t (etwa Entscheidungsfreude, Fehlerfreundlichkeit, Beziehungs- und Kontaktf\u00e4higkeit). Unsere Aufgabe als Eltern, Erzieher und Politiker ist es, pr\u00e4ventiv zu handeln, so dass sie nicht Lebensbew\u00e4ltigungsmuster entwickeln, die jenseits gesellschaftlicher Integrationsnormen liegen k\u00f6nnen. Heute sp\u00fcrt man, dass viel der heutige Jugend schon au\u00dferhalb leben. \u201c Die Folge davon ist, dass sie \u00e4u\u00dferst gegenwartsorientiert leben \u2013 also keinen langen Atem haben, dass sie Ma\u00dfnahmen unregelm\u00e4\u00dfig besuchen, diese unerwartet abbrechen, \u00fcberm\u00e4\u00dfig konsumieren, sich verschulden oder gar delinquent werden, ein hohes Bed\u00fcrfnis nach Selbstdarstellung und nach Anerkennung haben. Aber: Gerade \u201emit diesen Bew\u00e4ltigungsmustern (sind sie) auf der Suche nach einem normalen Leben in Gesellschaftlichvorgegebenen Jugendbildern.\u201c (Marx, 2002, 33).<br \/>\nBildung und Bewusstmachung sind die geeigneten Mittel um die Bildungschance von der sozialen Herkunft zu entkoppeln.<\/p>\n<p>Ich wollte gern beenden mit den Hinweis auf ein neues und aperspektivisches Weltbild in der Freiheit und Einheit des Erkennens, des F\u00fchlens, des Wollens und des Schaffens.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr das Zuh\u00f6ren und mitmachen.<\/p>\n<p>\u00a9 Ant\u00f3nio da Cunha Duarte Justo<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/antonio-justo.blogspot.com\/2008\/06\/bilingualitt.html\" rel=\"nofollow\">http:\/\/antonio-justo.blogspot.com\/2008\/06\/bilingualitt.html<\/a><\/p>\n<p>* Vortrag von Ant\u00f3nio Justo gehalten im D\u00fcsseldorf am 4.11.06<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilingualit\u00e4t (Zweisprachigkeit) Liebe Anwesende Liebe Vertreter von Erziehung, Kirchen, Gewerkschaft und Politik Ich freue mich bei euch zu sein und als Gast bei der Deutsch-brasilianischen Gesellschaft zu sein. Einleitung In meinem Vortrag st\u00fctze ich mich auf die eigene Erfahrung und auf wissenschaftliche Ergebnisse \u00fcber Bilingualit\u00e4t (Bilingualismus, bilinguismus). 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