{"id":1568,"date":"2010-06-18T09:31:02","date_gmt":"2010-06-18T08:31:02","guid":{"rendered":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=1568"},"modified":"2010-06-18T09:53:47","modified_gmt":"2010-06-18T08:53:47","slug":"europ-und-andere-kulturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=1568","title":{"rendered":"EUROPA UND ANDERE KULTUREN &#8211; VOM DIALOG ZUM TRIALOG"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Anwesende!<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Mit diesem Vortrag m\u00f6chte ich uns die Gelegenheit geben, \u00fcber ein Thema nachzudenken, das noch zu wenig im Bewu\u00dftsein unserer Gesellschaft ist. Dabei k\u00f6nnen nat\u00fcrlich nur einige Aspekte ber\u00fchrt werden, die mir als wichtig erscheinen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte als erstes stichwortartig auf die gegenw\u00e4rtige Situation eingehen, d. h. auf einige Aspekte der gegenw\u00e4rtigen Sinnkrise in Europa.<\/p>\n<p>Dann m\u00f6chte ich m\u00f6gliche Probleme der Auseinandersetzung zwischen den Kulturen antippen und er\u00f6rtern, was f\u00fcr ein Geist hinter dem Teufelskreis des Kulturkampfes steht. Des weiteren spreche ich \u00fcber die Neuentdeckung des Mythos als Verstehenshorizont und \u00fcber Wege zur Gemeinsamkeit der Kulturen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Zur gegenw\u00e4rtigen Situation<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ist die europ\u00e4ische Zivilisation gef\u00e4hrdet oder stellt sie eine Bedrohung f\u00fcr andere Zivilisationen dar? Im sogenannten Westen neigt man dazu, unsere Gesellschaftsordnung als etwas Endg\u00fcltiges, als das gelobte Land zu sehen. Historiker sagen, dass die westliche Kultur zu einer Sicherheitszone geworden ist und das &#8220;goldene Zeitalter&#8221; lebt. Wie damals die Pax Romana so erscheint heute die Pax europeia. Ist andererseits heute das Wiedererstarken des Islam, der ein F\u00fcnftel der Menschheit umfa\u00dft und sein Kampf gegen die Moderne sowie die Dynamik Asiens eine Gefahr f\u00fcr Europa wie damals die Barbaren f\u00fcr Rom? Oswald Spengler beschreibt in &#8220;Der Untergang des Abendlandes&#8221; Geschichte als &#8220;die Geschichte der gro\u00dfen Kulturen&#8221; und entwirft keine rosigen Szenarien, so wie noch aktualisierter Samuel P. Huntington im Buch &#8220;Kampf der Kulturen &#8211; Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert&#8221;. Er geht weiter und behauptet: &#8220;Die gef\u00e4hrlichen Konflikte der Zukunft ergeben sich wahrscheinlich aus dem Zusammenwirken von westlicher Arroganz, islamischer Unduldsamkeit und sinischem (d. h. chinesischem) Auftrumpfen.&#8221;<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Anzeichen von Schw\u00e4che:<\/strong><\/p>\n<p>Bis jetzt haben sich aufgehende Kulturen hervorgetan durch \u00dcberschu\u00df, der sich in St\u00e4rke auf den Gebieten des Milit\u00e4r, der Religion, Politik und Wirtschaft ausgedr\u00fcckt hat. Heute flie\u00dft der \u00dcberschu\u00df mehr in den Konsum. Die Menschen zehren von Kapital und verzehren Kultur. Alles dient dem leiblichen oder momentanen Wohl, das sehr kurzlebig ist. Auch Kultur wird zum Konsumgut. Sie sorgt sich nicht um die Zukunft. Individueller und kollektiver Konsum geht sogar auf Kosten zuk\u00fcnftiger Generationen. Demnach befinden wir uns in einer Phase der Dekadenz. Diese Dekadenzerscheinungen sind denen anderer untergegangener Kulturen \u00e4hnlich. M\u00fcssen wir uns von daher sorgen, da\u00df die Dekadenzerscheinungen Europas ebenfalls unsere Zivilisation zugrunde richten werden? Oder ist eine universale Kultur im Entstehen? <strong> <\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Die Dekadenz wird besonders in folgenden Erscheinungen ersichtlich:<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; <strong>Religi\u00f6se, geistige, soziale und politische Institutionen<\/strong> \u00fcben keine Anziehungskraft mehr auf die Massen des Volkes aus. Das Volk findet in ihnen keine Orientierungen mehr. Die Politik vermittelt manchmal den Eindruck, zum Handwerk der Entmachtung der Massen zu verkommen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>&#8211; Die <strong>Werte der Zivilisation<\/strong> greifen und begeistern nicht mehr. Die Individualisierung und Pluralisierung von Moral schreitet weiter fort. Man sagt: &#8220;Andere V\u00f6lker andere Sitten&#8221;. Man abstrahiert, um nicht konkret handeln zu m\u00fcssen. Pluralisierung relativiert &#8220;Gut&#8221; und &#8220;B\u00f6se&#8221;. Man schaut auf\u00a0 das Ergebnis, nicht auf das Verhalten. In vorindustriellen Kulturen gab es noch das &#8220;Heilige&#8221; in der Religion, das &#8220;Wahre&#8221; in der Metaphysik und das &#8220;Gute&#8221; in der Ethik. Im Industriezeitalter h\u00e4ngen diese Werte als austauschbar gem\u00e4\u00df dem Gesetz von Angebot und Nachfrage ab. Die Werte unterliegen den Handelsgesetzen. Anstelle von absoluten Werte treten die Grenzwerte auf. Die Konkurrenz der Werte f\u00fchrt zur Anarchie, wo die Lautst\u00e4rke sich durchsetzt und nicht das Gute. Die Industrialisierung und die Weltkriege haben die gewachsenen Lebensverh\u00e4ltnisse und damit das System der gesellschaftlichen Anpassungsmechanismen zerst\u00f6rt. Moralischer Verfall breitet sich aus: Kriminalit\u00e4t (asoziales Verhalten), Drogen, Gewalt, Krankheit, Verfall der Familie, Schwinden zwischenmenschlichen Vertrauens, Nachlassen der Arbeitsmoral (Arbeit dient der Erf\u00fcllung pers\u00f6nlicher W\u00fcnsche), Desinteresse an geistiger Bet\u00e4tigung.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>&#8211; Das nat\u00fcrliche <strong>Bev\u00f6lkerungswachstum<\/strong> ist r\u00fcckl\u00e4ufig. Es wird ausgeglichen durch eine spontane Einwanderung (Armutseinwanderung neigt oft zur\u00a0 Ghettobildung). Der soziale Zusammenhalt wurde untergraben durch die Kombination von Einwanderung wegen Arbeitskr\u00e4ftemangel auf der einen Seite, Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite, zudem wurde der Zusammenhalt destabilisiert durch Drogen und Kriminalit\u00e4t.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>&#8211; Indem das Christentum sich nicht als Selbstzweck sah und sich einer Weltpolitik gestellt hat, hat es scheinbar an Selbstbehauptung eingeb\u00fc\u00dft, verglichen mit anderen Religionen. Durch die Moderne und den &#8220;Tod Gottes&#8221; kam zu einer <strong>Desorientierung im Christentum<\/strong>. Diese Desorientierung wurde von einer Schw\u00e4chung, Gleichg\u00fcltigkeit und Verteufelung begleitet. Gegen\u00fcber einer Starrheit und Geschlossenheit der Institution Kirche profilieren sich gegnerische Gruppen und politische Konkurrenten. Intelektuelle, Politiker, Journalisten, Moralisten machen alles, um ein geistiges &#8220;Niemandsland&#8221; zu schaffen im Namen des Internationalismus. Damit schaffen sie eine verbrannte Erde, wo Religion und Kultur nur noch Folklore sind. Politiker und die Macher der Massenmedien bauen sich oft durch Kulturzerst\u00f6rung auf, ohne einen Bezug zur tiefgreifenden philosophischen und theologischen Wandlung der Kulturinhalte zu haben.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>&#8211; Seit den Siebziger Jahren, als das \u00f6konomische Wachstum ihre Grenzen erreichte, entwickelte sich ein <strong>ideologischer und existentieller Pessimismus<\/strong>. Man schwamm im \u00dcberflu\u00df und ertappte sich dabei als der Ausnutzer anderer V\u00f6lker. Ein zur Mode werdender Internationalismus definierte sich haupts\u00e4chlich \u00fcber Negativpunkte der eigenen Kultur. Dies scheint mehr eine Neigung zur Selbstzerst\u00f6rung zu sein als die Erkennung der eigenen Schuld an der heutigen Weltmisere. Man \u00fcbergeht das Schuldgef\u00fchl gegen\u00fcber anderen V\u00f6lkern nach dem Motto: der gestrigen Schuld der anderen ist einfacher zu begegnen, sie ist einfacher zu bew\u00e4ltigen als die eigene existenzielle und soziale heutige Schuld wahrzunehmen. Dann spricht man pauschalierend leicht \u00fcber Hexenverbrennung, Kreuzz\u00fcge, Kolonisierung ohne Bezugspunkt als Entschuldigung der eigene Schuld und als Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die eigenen Barbareien und der Barbarei anderen Kulturen der heutigen Welt. Die Verpflichtung zum Internationalismus kommt nicht aus einer \u00dcberzeugung. Sie wird zum Zwang zur Toleranz, zum oberfl\u00e4chlichen Dialog, der Probleme und Grenzen des Dialogs unterschl\u00e4gt. Z. B. wenn man Unterdr\u00fcckung in anderen Kulturen als kulturelles Ph\u00e4nomen akzeptiert und damit f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>&#8211; Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben sich die Nationen an die zwei gro\u00dfen Ideologien orientiert, die auch als Schutz dienten. Diese Situation hatte eine bestimmte Form von Identit\u00e4t gepr\u00e4gt, die an zwei Gef\u00e4lle gebunden war. Man definierte sich als Block.<strong> <\/strong>Nach dem kalten Krieg wird Identit\u00e4t durch Kultur bzw. Religion definiert. Der Kampf wurde verlagert.<\/p>\n<p>Das Scheitern des Marxismus bringt den Zusammenbruch der Moderne; und auch der westliche Liberalismus wird mit seiner turbo-kapitalistischen Praxis immer fragw\u00fcrdiger. Mit dem scheinbaren Verfall des Kommunismus befindet sich Europa in der Krise der Reflexion und damit in einer <strong>Krisis der Identit\u00e4t<\/strong>. Es mangelt an einer offenen Identit\u00e4t, die einer reflexiven Wahrnehmung des Eigenen und des Anderen Rechnung tr\u00e4gt. Europa findet nicht zu sich selbst, und dadurch kann es auch zu den anderen nicht hinfinden.<\/p>\n<p>Es gibt zu viel Ideologie im Vakuum der \u00dcberzeugungen. Der Westen neigt immer mehr dazu, sich durch ein politisches Credo zu definieren und diese Ideologie wird am Wohlstand gemessen. Der europ\u00e4ische Geist, w\u00fcrde Kant sagen, mu\u00df sich an die praktische Vernunft und dem ethischen Imperativ orientieren. Die \u00dcberbewertung der Logik f\u00fchrt zur gewaltsamen Form der Durchsetzung.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/strong><\/p>\n<p>Einerseits wird westliche Identit\u00e4t definiert durch das Credo von Freiheit, Demokratie, Individualismus, Gleichheit vor dem Gesetz, Achtung vor Verfassung, Privateigentum und Menschenrechten. Aber diese Glaubenss\u00e4tze haben keinen tieferen Grund, werden nicht gelebt und laufen Gefahr, nur Ideologie zu werden. W\u00e4hrend f\u00fcr die Internationalisten diese europ\u00e4ischen kulturellen Werte als einzigartig in der Welt angesehen werden, sehen Multikulturalisten Identit\u00e4t als Schimpfwort: sie sehen Gesellschaft als Ansammlung von Mikrowelten rassischer und ethnischer Art. Multikulturalisten sind oft ethnozentrische Individualisten, die mit ihrer Forderung gegen Integration zur\u00fcck zum Mythos des unschuldigen Primitiven neigen. Die Multikulturalisten ersetzen die Rechte von Individuen durch Rechte von Gruppen, so dass die Individuen sich definieren \u00fcber Rasse, Ethnizit\u00e4t, geschlechtlicher Zugeh\u00f6rigkeit, sexuelle Pr\u00e4ferenz etc. Andererseits die Einheit von multikulturellen Staaten (Russland, Jugoslawien&#8230;) wird aufgegeben.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die L\u00f6sung unserer Problematik <strong> <\/strong>geschieht durch eine reflektierte, offene Identit\u00e4t, die offen ist. F\u00fcr Kant ist Identit\u00e4t ein Begriff der Reflexion, da Identit\u00e4t entweder reflektierte oder keine ist. Zur Identit\u00e4t geh\u00f6ren zwei Aspekte: Was wir selbst sind und was uns von anderen unterscheidet (Dialektik). Identit\u00e4t geschieht in der Komplementarit\u00e4t verschiedener Wirklichkeiten. Karl Jaspers definiert Europa als Freiheit. F\u00fcr den europ\u00e4ischen Rat sie ist Freiheit, Geschichte und Wissenschaft, sie ist der Ort der Menschenrechte. Wesentliche Merkmale sind Pluralismus, Unterschiedlichkeit, Respekt und Toleranz. Identit\u00e4t haben bedeutet, ein Zuhause haben k\u00f6nnen, nicht mehr allein im Ich gefangen zu sein und nicht nur aus dem Ich die Kraft sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>&#8211; Europa fehlt heute ein Bewu\u00dftsein von <strong>Richtung und Sinn<\/strong>. Es wurde zu sehr eine Wirtschafts- und W\u00e4hrungsunion und wird von den einzelnen Nationen als Werkzeug zur Erlangung von Einflu\u00df und Sicherung g\u00fcnstiger Bedingungen nationaler Art benutzt auf Kosten jeglicher kultureller Eigenheit. Ein Beispiel: eine Delegation der iranischen Regierung hat bei einem Staatsbesuch in Deutschland verlangt, da\u00df auf dem Tisch keine alkoholischen Getr\u00e4nke stehen d\u00fcrften, sonst w\u00fcrde sie den Saal verlassen. Die deutschen Politiker mit Ausnahme eines einzigen deutschen Abgeordneten, der den Saal verlie\u00df, gingen auf diesen Wunsch ein. Zuvor waren die deutschen Politiker im Iran und hatten sich dort auch den dortigen Gepflogenheiten unterworfen. <strong> <\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>&#8211; Der technologische Fortschritt bringt innerhalb und au\u00dferhalb Europas vielschichtige Schwierigkeiten. Andere Kulturen akzeptieren das Resultat der abendl\u00e4ndischen Entwicklung (Technologie und Wissenschaft), werden dadurch st\u00e4rker, stellen sich aber quer gegen den politischen Liberalismus.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Identit\u00e4tserkrankung sowohl des Westens wie des einzelnen wird immer mehr thematisiert werden m\u00fcssen. Wir haben die Grenzen der Individualit\u00e4t schon \u00fcberschritten, indem wir uns nur noch auf das Ego beziehen.\u00a0 Die Beantwortung dieser Frage des Untergangs unserer Kultur h\u00e4ngt davon ab, inwieweit wir uns von unserem selbst-bet\u00e4ubenden Ego-Trip distanzieren k\u00f6nnen.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Die St\u00e4rke des Westens ist der St\u00e4rkung des Subjekts zu verdanken. Der Untergang k\u00f6nnte aber auch durch die Fixierung an das Ego verursacht werden. Denn Voraussetzung f\u00fcr ein Ich ist das Wir. Das m\u00fcssen wir wieder von anderen Kulturen lernen und dies aus der Mitte der eigenen Kultur heraus finden. Dieses Bed\u00fcrfnis wird langsam angedeutet, jedoch seltsamerweise aus den Reihen des Milit\u00e4rs. Interessanterweise spricht man in letzter Zeit von der NATO als Wertegemeinschaft. Der britische Verteidigungsminister Malcolm sagt, da\u00df die atlantische Gemeinschaft auf 4 S\u00e4ulen ruhe: &#8220;Verteidigung und Sicherheit innerhalb der Struktur der NATO; gemeinsamer Glaube an Rechtsstaatlichkeit und parlamentarische Demokratie; liberaler Kapitalismus und freier Handel; das gemeinsame Kulturerbe Europas, ausgehend von Griechenland und Rom \u00fcber die Renaissance bis zu den gemeinsamen Werten und \u00dcberzeugungen und der gemeinsamen Kultur unseres eigenen Jahrhundert.&#8221;<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein schlechtes Zeichen f\u00fcr unsere Gesellschaft, da\u00df solche \u00c4u\u00dferungen von einem Verteidigungsminister kommen und nicht aus der Kulturwelt oder von anderen politisch Verantwortlichen. Sind Milit\u00e4rs paradoxerweise eher in der Lage, Weltzusammenh\u00e4nge zu erkennen? <strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Der Westen hat sich blenden lassen und sich extrem ausgelebt in der Naturwissenschaft und\u00a0 Verselbst\u00e4ndigung der Technik die mit sich Philosophie und Theologie bzw. Humanwissenschaften an sich gezogen und in ihre Funktion gestellt, so da\u00df unsere materielle Dimension sich sehr verbessert hat und die moralisch-geistige und kulturelle Dimension darunter \u00a0krankt. Unsere Gesellschaft leidet am Totalit\u00e4tsanspruch der Wirtschaft, die alle Lebenbereiche reguliert und reglementiert. Dadurch entstand eine L\u00fccke, die die Sinnfrage ausklammert bzw. die ganze Lebensphilosophie und ihre Begr\u00fcndung an Nebenschaupl\u00e4tze verweist, als ob die Zauberw\u00f6rter Demokratie und Freiheit der Schl\u00fcssel der grossen Fragen w\u00e4re. Das alles gefolgt von einer Politik, die die Befreiung des Menschen nur als politische Befreiung versteht. Sie reduziert den Aufbau des Gl\u00fccks auf die \u00f6konomische Unabh\u00e4ngigkeit und es wird dem Menschen der Vorteil angeboten, am demokratischen Proze\u00df Anteil zu nehmen. Der Mensch wird nicht als ganze Person, sondern in seiner Funktionalit\u00e4t angesehen. Die bindenden Traditionen werden ersetzt durch die Vorgaben, ein eigenes Leben zu organisieren. Der Preis f\u00fcr die Selbstbestimmung in der Moral wird von Sartre in der La Naus\u00e9e erw\u00e4hnt: &#8220;Dieser Typ hat keinen Wert f\u00fcr die Gesellschaft, er ist nichts als ein Individuum.&#8221; Mit den Tod Gottes\u00a0 wurde auch die Person get\u00f6tet.\u00a0 Nec cum te, nec sine te&#8230;Die Gegenwart Gottes ist ein \u00c4rgernis; die Abwesenheit Gottes ist eine Qual.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die westliche Kultur mu\u00df die Einseitigkeit von Wissenschaft und Technologie\u00a0 \u00fcberwinden. Die Technik gewann die Oberhand, und sie fragt nicht nach dem Wesen der Dinge, sondern nach der Funktion. Es geht um Ursache und Wirkung in der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung. Auch die moderne westliche Philosophie ist weitgehend funktionalistisch. Sie interessiert sich nur f\u00fcr das Wof\u00fcr, nicht f\u00fcr das Sein, f\u00fcr das Woher und Warum, weil man davon ausgeht, da\u00df der Mensch sich noch im Werden befindet. So wird auch Gott nach seiner Funktion f\u00fcr die Welt gefragt, nach seiner N\u00fctzlichkeit und somit in die Rente geschickt. Die Religion wird zum Altersheim Gottes.<\/p>\n<p>Naturwissenschaft reduziert das Wahre auf das Verst\u00e4ndliche, das mit der Verstand Verifizierbare.<\/p>\n<p>Kann die Philosophie weiterhin nur mit der Vernunft als einziges Instrument der Inteligibilit\u00e4t zur Deutung und Begr\u00fcndung reichen?<\/p>\n<p>Kann die Theologie weiterhin festhalten an einer monotheistischen Tradition (und ihres marxistischen Anhangs) um f\u00fcr das zeitliche Wohl der Menschheit arbeiten zu k\u00f6nnen? Mu\u00df der afrikanische und asiatische Geist sich der profanen universalen Technologie opfern, die, obwohl befreiend, bet\u00e4ubt und die Vielfalt ausschaltet?<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/strong><\/p>\n<p>Wie kann man die inneren Verfallsprozesse aufhalten und umkehren und zu einem Weltbewu\u00dftsein gelangen?<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Gemeinsamkeiten der Kulturen suchen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Durch \u00dcberwindung der Ideologien<\/strong><\/p>\n<p>Die Wurzel aller Kulturen sind die Religionen. Religionen waren und sind mehr oder weniger direkt wesentlicher Bestandteil der Identit\u00e4t einer Kultur.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Oft mu\u00df man beobachten, da\u00df die unterschiedlichen Formen des Glaubens Menschen voneinander trennen. Glaube kann Feindseligkeit, Trennung und Zerst\u00f6rung bringen, und das ist nicht Religion. Die Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensformen oder Religionen setzt voraus, da\u00df man die Relativit\u00e4t von Bildern, Ritualen und Glaubenss\u00e4tzen sieht. Nur dann kann man sich durch das Zeitlose, das \u00fcber diesen \u00c4u\u00dferlichkeiten steht, begegnen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Glaube an Gott, d. h. Glaube im Sinne des F\u00fcrwahrhaltens, Rituale, Zeremonien sind nicht Religion, sie sind Formeln. Bilder k\u00f6nnen Symbol sein. Ein Symbol, ein Wort ist aber nicht, was es repr\u00e4sentiert. Im Zen-Buddhismus wird in diesem Zusammenhang der Vergleich herangezogen, wenn du mit deinem Finger auf den Mond zeigst, verwechsle nicht deinen Finger mit dem Mond. Man l\u00e4uft Gefahr, die Symbole zu einer Religion zu machen. Gott ist aber nicht dort.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Menschen werden durch unterschiedliche Traditionen in einen Glauben oder eine Weltanschauung hineingef\u00fchrt und <span style=\"text-decoration: underline;\">haben <\/span>dann diesen Glauben. H\u00e4ufig &#8220;hat&#8221; man ihn, \u00e4hnlich wie einen Gegenstand, aber man &#8220;ist&#8221; nicht, d. h. der Glaube, die Religion durchdringt nicht den Menschen, sondern ist nur ein Anh\u00e4ngsel, das man einfach \u00fcbernommen hat, ein Teil der Kultur.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Der Begriff Religion mu\u00df bereinigt werden durch die Verneinung dessen, was Religion <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span> ist, damit wir verstehen, was Religion <span style=\"text-decoration: underline;\">ist<\/span>. Religion ist die fundamentale Dimension des menschlichen Seins.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>In Indien gab es zur Zeit Buddhas (6. Jahrh. vor Chr.) verschiedene Wanderm\u00f6nche, die unterschiedlichen Weltanschauungen angeh\u00f6rten und miteinander stritten, weil jeder glaubte, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein. Buddha erz\u00e4hlte ihnen deshalb folgende Geschichte: &#8220;Es war einmal ein K\u00f6nig, der rief zu seiner Zerstreuung etliche Bettler zusammen, die von Geburt an blind waren und setzte einen Preis aus f\u00fcr denjenigen, der ihm die beste Beschreibung eines Elefanten geben w\u00fcrde. Zuf\u00e4llig geriet der erste Bettler, der den Elefanten untersuchte, an dessen Bein, und er berichtete, da\u00df der Elefant ein Baumstamm sei. Der zweite, der den Schwanz erfa\u00dfte, erkl\u00e4rte, der Elefant sei wie ein Seil. Ein anderer, welcher ein Ohr ergriff, beteuerte, da\u00df der Elefant einem Palmblatt gleiche usw. Die Bettler begannen untereinander zu streiten, und der K\u00f6nig war \u00fcberaus belustigt.&#8221;<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Diese Parabel verliert nie an Aktualit\u00e4t. Ideologien sind einseitig, weil nur vom Verstand formuliert und an Ort und Zeit orientiert. Und da sie ihre eigene Identit\u00e4t in dialektischer,\u00a0 Gegens\u00e4tzlichkeiten betonender Beziehung zu anderen Ideologien aufbauen, sind sie unf\u00e4hig zur Selbst-Reflexion und damit unf\u00e4hig, die eigene \u00d6rtlichkeit und Zeitlichkeit zu \u00fcberwinden. Die Ideologie ist totalit\u00e4r, weil sie meint, die Gesamtheit der menschlichen Erfahrung zu erfassen. Sie verlangt die Unterwerfung der privaten \u00dcberzeugung. (In der Kirche: &#8220;de internis non judikat ecclesia&#8221;). Die Vermeidung zuk\u00fcnftiger Weltkriege zwischen den Kulturen kann nur stattfinden durch Einigung, indem die Ideologien sich ihrer Relativit\u00e4t bewu\u00dft sind und an einem gemeinsamen Interesse arbeiten. Interessen einigen, weil sie zu Kompromissen f\u00fchren.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Religionen m\u00fc\u00dften ihr ideologisches Ger\u00fcst kritisch reflektieren. Die religi\u00f6sen Institutionen verstehen sich auch als Wachhunde der Kultur, aber sie sind zu L\u00f6wen geworden, je nach Religion mehr oder weniger stark. Sie werden oft zur Gefahr f\u00fcr den einzelnen Gl\u00e4ubigen und f\u00fcr andere Kulturen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Anstatt sich an Ideologien zu klammern, ist es angebracht, zu den dahinter stehenden Theorien zu kommen. Und die Theorien m\u00fc\u00dften in einen globalen Zusammenhang gebracht werden, damit sie heutigen Anforderungen entsprechen. Ein Kriterium zur \u00dcberpr\u00fcfung der Globalit\u00e4tsf\u00e4higkeit unserer Theorien ist die \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Entstehung: Die traditionelle Haltung jeder Philosophie ist, dass die Praxis aus der Theorie folgt, wobei der Vorrang des Denkens vorausgesetzt wird. Die Ideologien hingegen leiten die Theorie aus der Praxis ab, wobei die Praxis Vorrang hat. F\u00fcr Ideologien ist ma\u00dfgebend, was in der Welt geschieht Es gibt keine letzte Instanz, keine Transzendenz. Die praktische Philosophie unterscheidet zwischen dem Gegebenen und dem Denken.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Unsere Welt w\u00e4re weiterhin ein Feld der Konfrontationen, wenn man fortf\u00e4hrt, sie den H\u00e4nden von Ideologen zu \u00fcberlassen, wie z. B.\u00a0 Multikulturalisten, die Europa der Welt gleich machen wollen oder Universalisten, die unter dem Deckmantel des Universalismus und des Fortschritts die Angleichung der Welt an den Westen wollen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Kultur wurde auf Feindbilder aufgebaut. Man fand zur eigenen Identit\u00e4t durch Gegnerschaft. Eigene Werte wurde verabsolutiert. Der Mensch von heute lebt immer noch, was Kultur betrifft, mehr im Gef\u00fchl von Feindbildern als in der Bindung an eine gemeinsame Weltkultur. Gemeinsame Weltkultur bedeutet weder, im Sinne der Multikulturalisten die Angleichung Europas an die Welt noch im Sinne der Universalisten, die Angleichung der Welt an den Westen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Anstatt die vermeintlich universalen Aspekte\u00a0 einer Kultur zu propragieren, gilt es, im Interesse der Kulturen-Koexistenz nach dem zu suchen, was den Kulturen gemeinsam ist. Das heisst Verschiedenheit akzeptieren und nach Gemeinsamkeiten, nach den Wesentlichen<strong><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/strong>suchen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir eine andere Sprache finden als die der wissenschaftlichen Technokratie, die in der Dialektik verfangen ist.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00c4ngste und Selbstverst\u00e4ndnis anderer Kulturen<\/strong><\/p>\n<p>Der hegemonische Anspruch der europ\u00e4isch-amerikanischen Kultur, d. h. der Anspruch auf Beherrschung der Welt,\u00a0 mit\u00a0 dem Glauben an die Universalit\u00e4t der westlichen Kultur und ihrer Werte\u00a0 ohne R\u00fccksicht auf die Verschiedenartigkeit der Kulturen ist fatal. Man vergisst, dass durch den Verfall der Sowjetunion die amerikanische Hegemonie nicht mehr n\u00f6tig ist f\u00fcr die Interessen der verschiedenen V\u00f6lker. Dieser Hegemonie-Anspruch widerspricht westlichen Werten wie Selbstbestimmung und Demokratie und widerspricht asiatischen und muslimischen Kulturen, die moralische \u00dcberlegenheit f\u00fcr sich in Anspruch nehmen.\u00a0 Auch hier bei uns scheint der Werteverfall zu rechtfertigen, da\u00df Einwanderer in eine Migration nach innen gehen, die der Bewahrung eigener Werte, eigener Gebr\u00e4uche dient, auch wenn sie im Gegensatz zur Gastkultur stehen. Ihre Religiosit\u00e4t n\u00e4hrt sich zum Teil aus einer\u00a0 moralischen Kritik an den destruktiven Tendenzen der westlichen Moderne, die im Widerspruch steht zur eigenen kulturellen Orientierung.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Auch in Ostasien versucht man sich vom Westen abzugrenzen. Pr\u00e4sident Wee von Singapur ist besorgt \u00fcber die Beeinflussung der neuen Ideen und Technologien und die Aussetzung verwestlichter Werte wie Individualismus und egozentrische Lebensperspektiven. Er schlu\u00dffolgert: Es sei notwendig, die Kernwerte zu benennen, die den verschiedenen ethnischen und religi\u00f6sen Gemeinschaften in Singapur gemeinsam seien und &#8220;die Quintessenz dessen enthalten, was es bedeutet, Singapurer zu sein&#8221;. Folgende Werte w\u00e4ren gemeinsam: &#8220;Die Gesellschaft \u00fcber das Ich stellen, die Familie als Grundbaustein der Gesellschaft hochhalten, wichtige Fragen einvernehmlich und nicht durch Streit l\u00f6sen; auf rassische und religi\u00f6se Toleranz und Harmonie dr\u00e4ngen.&#8221; Er schlo\u00df ausdr\u00fccklich politische Werte wie Demokratie aus seinem Katalog aus.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>In der islamischen Welt rechtfertigte Zulficar Ali Bhutto den Ausbau eines vollen Nuklear-Potentials f\u00fcr Pakistan folgenderma\u00dfen: &#8220;Die christliche, die j\u00fcdische, die hinduistische Zivilisation besitzen dieses Potential. Nur die islamische Zivilisation besa\u00df es nicht, aber diese Situation sollte sich \u00e4ndern&#8221;. (in Boston Globe, 14.8.93,S.2) Dies zeigt, da\u00df der Zugang zur Globalit\u00e4t zuerst stattfindet durch den Zugang zum eigenen Kulturkern, der prim\u00e4r \u00fcber Religion definiert wird.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Es ist klar, da\u00df Zukunftsgeschichte zur Geschichte der gro\u00dfen Kulturen wird. Hier liegt das Bet\u00e4tigungsfeld, an dem wir viel zu knacken haben. Die gro\u00dfen Weltreligionen, die hinter den Weltkulturen als Identit\u00e4tsregulatoren stehen, sind: Westliches Christentum, Orthodoxie, Hinduismus, Buddhismus, Islam, Konfuzianismus, Taoismus und Judentum. In ihnen sind die Indikatoren zur Spaltung oder zu gemeinsamen Werten. Eine Universalkultur kann nur auf dem Weg der Gemeinsamkeiten\u00a0 und der gemeinsamen Suche beruhen. Im friedlichen Austausch voneinander lernen, einander gegenseitig das Leben bereichern. Das gro\u00dfe Problem ist, dass\u00a0 jeder dieser Kulturen sich allgemein gesprochen in verschiedenen Entwicklungsstadien der Identit\u00e4tsfindung und Identit\u00e4tsf\u00f6rderung befindet,\u00a0 sei es soziologisch, sei es individuell gesehen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Das Christentum scheint, soziologisch gesehen, seinen Beitrag zur Entwicklung des Westens schon erledigt zu haben und ist nicht mehr die treibende Kraft. Seine Aufgabe hat sich in die innere Entwicklung des Individuums in der Privatheit verlagert und in der Globalit\u00e4tsproblematik.\u00a0 Andere Kulturen, z. B. der Islam benutzen noch die Religion, um nationale Identit\u00e4ten und Universalit\u00e4tsanspr\u00fcche gelten zu machen (Panarabismus). Die Unterschiedlichkeit der Funktionen, der Bewu\u00dftheitsgrad und die geschichtliche Entwicklung der Religionen m\u00fcssen thematisiert werden, damit eine wahre Begegnung und Toleranz entstehen kann und nicht im Namen von religi\u00f6ser Toleranz, Ideologien gef\u00f6rdert werden. Oft tut man so, als ob Religion gleich Religion w\u00e4re und in unserer europ\u00e4ischen Selbstherrlichkeit, als ob unsere Begriffs- und &#8220;Wirklichkeitswelt&#8221; gleich die der Welt w\u00e4re. Wir k\u00f6nnen nicht davon ausgehen, da\u00df unser Demokratieverst\u00e4ndnis in anderen Kulturen vorhanden ist, sonst mi\u00dfverstehen wir andere Kulturen und laufen Gefahr, sogenannte Demokratien ohne\u00a0 Demokraten zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Bez\u00fcglich des Islam behauptet Prof. Mohamed Arkoun: &#8220;Noch kann die muslimische Welt nicht wirklich mit Kritik umgehen. In der arabischen Sprache fehlen Worte wie &#8220;Kritik&#8221; oder &#8220;Vernunft&#8221;, wie wir sie verstehen; Wir d\u00fcrfen also kritisches Denken nicht voraussetzen, wir m\u00fcssen es \u00fcberhaupt erst einf\u00fchren. Seit 1945 gibt es keinerlei Liberalit\u00e4t mehr in der arabischen Welt&#8221;.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Der Islam kann sich nicht weiterhin reduzieren lassen auf eine engstirnige moralische Ordnung, Geschlechtertrennung und Verschleierung von Frauen. Er mu\u00df zur\u00fcckfinden zu dem, was der islamische Philosoph Averr\u00f6es\u00a0 schon in 12. Jahrhundert bez\u00fcglich der Lehre der doppelten Wahrheit sagte: es gibt die Wahrheit des Dogmas und die Wahrheit der philosophischen Spekulation (Er fand keinen Nachfolger im Islam). Die Aufkl\u00e4rung des Westens und mit ihr die Trennung von Religion und Politik, die Sekularisation, brachte Europa weiter.\u00a0 Dieses Europa, das sich teilweise von der negativen Herrschaft Gottes befreite, be\u00e4ngstigt die islamische Welt ,die paradoxerweise keine andere Alternative sieht f\u00fcr ihr Selbstverst\u00e4ndnis und ihre Selbstbehauptung als\u00a0 Allahs Mantel. W\u00e4hrend der Westen sich von Gott abwendet und damit in die Krisis kommt, klammert sich der Islam um so mehr an Gott. Anstatt ein anderes Gottesbild zu entwickeln, scheint der Westen sich v\u00f6llig von einem Gottesbild zu distanzieren. Der Islam l\u00e4uft im allgemeinen in die gegenteilige Richtung und damit in Phasen, die er selbst schon \u00fcberwunden hatte.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Die Mythen als Weg<\/strong><\/p>\n<p>In der Zeit des Turmbaus zu Babel lebte die Gesellschaft in einer Sinnkrise beim \u00dcbergang von der Agrar- zur Stadtkultur. Weil die Menschen durch den Verlust Gottes keine Mitte mehr hatten, hatten sie das Bed\u00fcrfnis, eine Mitte, die alle Menschen vereint, zu bauen. Die sinngebende Mitte war der Turm. Dies ist dem Bed\u00fcrfnis \u00e4hnlich, eine Wertegemeinschaft des Westens zu schaffen. Aus diesem Mythos heraus k\u00f6nnen wir erkennen, da\u00df es eine Mitte ohne Gott nicht geben kann bzw. zu einem Versagen f\u00fchren mu\u00df wie beim Turmbau zu Babel, wo aus der angestrebten Einheit eine Verwirrung der Sprachen wurde, d. h. da\u00df die Menschen sich nicht mehr verstehen konnten. <strong> <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Wege zur Gemeinsamkeit in den Mythen der Religionen, die einander \u00e4hnlicher sind und sich sogar \u00fcberlappen, als das in den Erscheinungsformen der Religionen der Fall ist:\u00a0 In der Vergangenheit\u00a0 und noch heute werden Religionen als Instrument von Identifikation benutzt in der Abgrenzung und somit auf ihre soziologischen Erscheinungsformen reduziert. Die Religion werden auf historische Fakten oder auf die Ebene der Ph\u00e4nomene und die Funktionalit\u00e4t reduziert. Die Ph\u00e4nomenologie\u00a0 vergleicht nur Stukturen oder Lehren.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>In Christentum und Islam wird jeder Versuch einer esoterischen Vertiefung der Lehre durch die Obrigkeit f\u00fcr absolut unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt. Sie will nicht akzeptieren, dass es \u00fcber ihren Bereich hinaus ein Gebiet gibt, das sich ihrem Urteil entzieht. Hier tut der Dialog mit den Religionen der mystischen Erfahrung wie Buddhismus, Hinduismus und Taoismus und mit der eigenen Mystik not. Es darf aber nicht vergessen werden, dass die modernistische \u00dcberbetonung der Subjektivit\u00e4t auch ein Irrtum ist, weil sie die Objektivit\u00e4t ausschaltet, aber ein noch gr\u00f6\u00dferer Irrtum ist die konservative \u00dcberbetonung der Objektivit\u00e4t und der Legalismus, der jeder wahrhafte Subjektivit\u00e4t erstickt.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Der h\u00f6chste Zweck der Religion ist das Heil des Menschen und nicht, Gottes H\u00fcter und Verteidiger zu werden. Die Verteidigung Gottes geh\u00f6rt zur Ideologie und diese zielt darauf ab, Macht \u00fcber andere zu erlangen durch die Instrumentalisierung Gottes, sei es im individuellen, sei es im kulturellen Bereich (Kreuzz\u00fcge und noch heute der Heilige Krieg).<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Dialektik\/Dualismus\/Mythos: Br\u00fccken bauen durch eine neue Sprache, die Sprache der Mythen, die Sprache des Herzens <\/strong><\/p>\n<p>Meistens wurde der Dialog zwischen den Religionen dialektisch gef\u00fchrt, das heisst in Konfrontation zwischen verschiedenen Diskursen (Logoi) wohl wissend, dass der dialektische Diskurs zur Beherrschung der einen Kultur \u00fcber die andere f\u00fchrt. Der Dialog mu\u00df mit der Hilfe der Mythen gef\u00fchrt werden, wenn wir nicht mit der Konfrontation der Kulturen fortfahren wollen. Die Entmythologisierung des Mythos, d. h. der Versuch, die Mythen verstandesm\u00e4\u00dfig zu erkl\u00e4ren, ist bis zu einen bestimmten Grad notwendig. Wenn Mythen aber<strong><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/strong>zu einem reinen Gegenstand des Verstandes reduziert werden, dann wird Entmythologisierung zur Intoleranz, da eine Idee nicht eine gegens\u00e4tzliche dulden kann. Der Mythos bewegt sich in der Freiheit des Seins, w\u00e4hrend das Denken sich in der Freiheit des Selektierens bewegt.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Der Mythos (Weltdeutung und Welterkl\u00e4rung) ist das, woran man glaubt ohne zu glauben, dass man daran glaubt, er ist das, was wir stillschweigend voraussetzen, was wir nicht in Frage stellen: der Mythos dient als letzter zeitloser Bezugspunkt, als Pr\u00fcfstein der Wahrheit, er handelt von der Beziehung\u00a0 zwischen\u00a0 Gott &#8211; Welt und\u00a0 Mensch als Ganzes. Man kann den Mythos in verschiedenen Stufen leben, d. h. als Raum, als Geschichte und als Welt des\u00a0 Geistes.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Im Mythos des Kosmos <\/strong>herrscht die Wahrnehmung des Raumes. Wirklichkeit ist r\u00e4umlich und die 3 Welten (Gott, Welt, Mensch) werden in r\u00e4umlichen Begriffen verstanden: Oben die Welt der G\u00f6tter, dazwischen das menschliche und darunter die Unterwelt.<\/p>\n<p><strong>Im Mythos der Geschichte<\/strong> herrscht die Zeit. Die 3 Welten sind Bereiche von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es geht um die Wahrnehmung der Subjekt-Objekt-Relation. In diesem Mythos sind wir besonders verfangen. Problem der Ontologie<\/p>\n<p><strong>Der Vereinigende Mythos bzw. der Mythos des Geistes<\/strong>: setzt die \u00dcberwindung der Dichotomie, d. h. den Zweispalt von Subjekt und Objekt voraus sowie des Dualismus. Es ist der Mythos der Bewegung auf die Ganzheit hin und ist das Ideal der Synthese. Die 3 Welten sind nicht nur r\u00e4umlich oder zeitlich, sie sind vielmehr die Welten des Geistes, des Lebens und der Materie.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Wir haben den Mythos des Kosmos im allgemeinen \u00fcberwunden und befinden uns im Mythos der Geschichte, wo es um die Subjekt-Objekt-Relation geht. Wir streben aber die Globalisierung an. Die Voraussetzung, um diese zu schaffen, ist, die Stufe des Vereinigenden Mythos zu erreichen. Das setzt weiter eine R\u00fcckkehr zu einem erneuertem mythischem Verst\u00e4ndnis voraus und eine Schaffung neuer Mythen bzw. die Ur-Mythen jeder Kultur nicht auf die Entwicklung der eigenen Kultur zu beziehen, sondern als Menschheits-Mythen zu betrachten.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Welt braucht eine neue &#8220;historische Achse&#8221;, ein neues Bewu\u00dftsein, wie es im 6. Jahrhundert vor Christus in allen Hochkulturen geschah: Die neue Orientierung von Mythos zum Logos (Verstand) bzw. zur Philosophie und Wissenschaft. Die verschiedenen Kulturen kamen vom Wir zum Ich und zum pers\u00f6nlichen Gott. Fast zur gleichen Zeit traten entscheidende Ereignisse und Religionsstifter und Philosophen auf, die die zuk\u00fcnftige Geschichte wesentlich pr\u00e4gten. Es kam zu einem qualitativen Sprung in der Menschheitsentwicklung, zu einer gemeinsamen Bewu\u00dftseins\u00e4nderung.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Mit der Tempelzerst\u00f6rung von Jerusalem wird Abstand genommen von einem v\u00f6lkischen Gott. Zarathustra verk\u00fcndet die pers\u00f6nliche Erl\u00f6sung (Sittlichkeit, Mensch nicht nur Zuschauer), Konfuzius und Laotse kommen zu einer pers\u00f6nliche Auffassung von Gerechtigkeit und Moral (pers\u00f6nliches Gewissen). In\u00a0 Griechenland\u00a0 geht man \u00fcber von der Kosmologie zur Anthropologie. Heraklit entdeckt den Logos. Die Mysterien garantieren die Erl\u00f6sung des Individuums. Wie hier der Mensch anf\u00e4ngt, sich abzunabeln vom Numinosen und der Tyrannei der Gruppe, so m\u00fc\u00dfte heute ein \u00e4hnlicher Prozess der Entbindung der Menschen von den einzelnen Kulturen zu einer universelle Kultur stattfinden. Wie die Menschen damals vom Wir zum Ich kamen, m\u00fc\u00dfte jetzt aus dem Ich heraus ein Wir werden, in dem sich das Ich bewu\u00dft aufgibt.<\/p>\n<p>&#8220;Der Mensch kann ohne Mythos nicht leben. Anderseits wird der Mensch erst zu einem vollen Menschen, wenn er auch sein logisches Potential und seine geistigen F\u00e4higkeiten entwickelt hat. Ebenso wie das Wesen des &#8220;Primitivismus&#8221; einer archaischen Kultur in seinen mythischen Merkmalen liegt, so ist der &#8220;barbarische Charakter&#8221; der zeitgen\u00f6sischen westlichen Kultur im wesentlichen nicht auf die materielle Komponente einer bestimmten Zivilisation zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auf die \u00fcberragende Macht, die sie dem Logos (Verstand) zuschreibt.&#8221; (Panikkar). Mythos und Logos k\u00f6nnen nur im Geist existieren. Der Geist aber l\u00e4\u00dft sich weder vom Mythos noch vom Logos manipulieren. Der Geist ist Freiheit. Der Ort des Geistes ist das Schweigen, der Frieden. Kultur ist ein Geflecht von Mythos und Logos. Man kann nur v\u00f6llig tolerieren, was man annimmt durch Verstehen (Logos) oder durch den Mythos. Die Beziehung der Vernunft ist dialektisch und die des Mythos dialogisch, das bedeutet, der Mythos schlie\u00dft eine Wahrnehmung ein, die alles umfa\u00dft. Obwohl der Ort der Religionen der des Mythos ist, das hei\u00dft des Dialogischen, Friedlichen, leben und verkennen die Religionen sich selbst, indem sie sich oft reduzieren lassen auf das Dialektische, Kriegerische.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Mystik der Ort der Begegnung<\/strong><\/p>\n<p>Einer der Folgen der Globalisierung ist eine Lebensform, die ins Transkulturelle weist. Das f\u00fchrt dazu, dem Transzendentalen in anderen Kulturen und in uns zu begegnen \u00fcber die Transzendenz der eigenen Kultur. Dies verlangt sowohl auf national wie auf internationaler Ebene im Kulturellen aber auch den \u00dcbergang von nationalpolitischer Geschichtsschreibung wie Geschichtsdeutung zur Universalgeschichte als Ged\u00e4chtnis der gesamten Menschheit. Es ist klar, da\u00df nationale Geschichte auch als nationaler Mythos die eigene Erinnerung pr\u00e4gt. Diese Erinnerung bewirkt Zukunftsvorstellung und Zukunftsgestaltung, die dadurch regional werden, statt universal. Universales Bewu\u00dftsein kann nicht aufgebaut werden mit dem Parameter der Nationalkultur, aber auch nicht aus einem leeren Raum und aus Allgemeinpl\u00e4tzen\u00a0 wie die Herstellung eines Wertekatalogs. Geschichte mu\u00df neu beschrieben werden aus einer Weltsicht heraus.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>So wie die Nationalgeschichte als P\u00e4dagogik ein Hindernis darstellt zur Schaffung eines universalen Bewusstseins, so sind die Religionen zuerst ein Hindernis, bis sie zu sich selbst gefunden haben, bis sie zur Mystik zur\u00fcckfinden, die mit dem Mythos Hand in Hand geht. Die wohlverstandene Religion ist der Weg zur Zukunft Europas und zur friedlichen Zukunft der Welt. Alle Religionen brauchen eine Institution, da nur sie Tradition erm\u00f6glicht, sie brauchen ein geistiges Milieu, das ethisches Handeln erm\u00f6glicht und mystisches Leben (Erfahrung Gottes), das uns den Horizont \u00f6ffnet. Dieses mystische\u00a0 Element erm\u00f6glicht eine gemeinsame Zukunft\u00a0 und eine Weltkultur.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Ich bin der Meinung mit Raimon Panikkar, dass &#8220;die Begegnung zwischen den Religionen sich nicht auf neutralem Boden ereignen kann, in einem Niemandsland, was ein R\u00fcckfall in einen unbefriedigenden Individualismus und Subjektivismus darstellen w\u00fcrde&#8221;. Die Begegnung kann nur im Zentrum der religi\u00f6sen \u00dcberlieferungen stattfinden, auf der Ebene des religi\u00f6sen Mythos und nicht auf der Ebene der religi\u00f6sen Ideologie, welche Menschen und V\u00f6lker instrumentalisiert und oft als Institutionen Hindernisse zur Entwicklung des Menschen darstellen. Die Begegnung mu\u00df sich au\u00dferhalb von Moralvorstellungen\u00a0 realisieren, weil diese Zeit und Raum gebunden sind im Gegensatz zu Religion. Es mu\u00df ein neuer Horizont den Erfahrungsaustausch aller Kulturen erm\u00f6glichen, wo Religion nicht nur die Bedeutung von re-ligare (wiederverbinden), sondern auch von entbinden hat, n\u00e4mlich entbinden von Gottesbildern.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Eine neue Dimension von Kosmos-Mensch-Gott erschlie\u00dft sich dann, wo Religion eine neue Daseinsform erm\u00f6glicht, in dem das Sakrale und das Profane keinen Gegensatz mehr darstellen. Im Christentum ist dieser Weg m\u00f6glich durch die Trinit\u00e4t, die den Theismus, den Monismus und den Dualismus, Transzendenz &#8211; Immanenz \u00fcbersteigt. Auf der Basis dieser trinitarischen Wirklichkeit, die in allen Religionen (als Lebensr\u00e4tsel\u00a0 und letzte Begr\u00fcndung) oft im Mythos versteckt, vorhanden ist, wird die \u00d6ffnung zur Gemeinschaft aller Menschen m\u00f6glich, zur Welt, zur Natur und zum Geheimnis. Ein neues Bewu\u00dftsein, in dem die Religionen nicht mehr anstreben, die Religion der gesamten Menschheit zu werden. Ein Pluralismus ist notwendig, der im Glauben gr\u00fcndet, dass keine einzige Gruppe die Ganzheit der menschlichen Erfahrung umfasst. Er setzt zwar den eigenen Standort voraus, ist aber spiritueller Ort ohne die Diktatur der eigenen Tradition. Wenn Religionen\u00a0 und Kulturen sich als Ort der Identit\u00e4tsfindung und der Auseinandersetzung mit der Welt verstehen, dann k\u00f6nnen sie nicht weiter Gott einsperren bzw. vereinnahmen und mit ihm den Menschen fesseln.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die vergangene Erfahrung lehrt, dass Wahrheitsbesitzer zum Krieg als L\u00f6sung von Konflikten greifen. Nicht die Behauptung der Wahrheit, sondern die Suche nach der Wahrheit charakterisiert den religi\u00f6sen Weg des reifen Menschen. Eine gemeinsame Suche\u00a0 erm\u00f6glicht die eigene Entwicklung und die der Welt. Die ganze Wahrheit schlie\u00dft die Wahrheit der anderen ein. Karl Jaspers sagt: Die Wahrheit beginnt zu zweit. Und Dionisius Areopagita meinte: Schon der Anspruch, Gott in irgend einer Weise zu &#8220;erkennen&#8221; ist an sich G\u00f6tzendienst.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Da Gott und das Gute jenseits des Seins liegen, ist Schweigen angebracht. &#8220;Wer die Theologie, sowohl diejenige des christlichen Glaubens als auch diejenige der Philosophie, aus gewachsener Herkunft erfahren hat, zieht es heute vor, im Bereich des Denkens von Gott zu schweigen. Denn der ontologische Charakter der Metaphysik ist f\u00fcr das Denken fragw\u00fcrdig geworden, nicht aufgrund irgendeines Atheismus.&#8221; (Heidegger, Identit\u00e4t u. Differenz, S. 45).<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Im Christentum vollzog sich die Enthellenisierung Gottes, die Gott mit dem Sein gleichstellte. &#8220;Der christliche Gott ist nicht sowohl transzendent als auch immanent. Er ist eine andere Wirklichkeit, die im Sein gleichwohl anwesend ist und aufgrund dieser Anwesenheit macht er das Sein seiend&#8221;(Cfr. Devart, The Future of Belief S.139)<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Jeder Glaube jeder Kultur stellt eine Chance dar zur Entwicklung und Selbstfindung; sie stellen aber gleichzeitig eine gro\u00dfe Gefahr dar, indem sie uns zeigen wollen, was Wahrheit, was Gott ist. Was bewu\u00dfte Menschen zu tun haben, ist nicht von Gef\u00e4ngnis zu Gef\u00e4ngnis zu rennen, in der Illusion, die Wahrheit irgendwo in einer Kultur oder Religion zu finden, sondern die Mauern, die Handschellen der eigenen Kultur zu erkennen und damit zu begreifen, dass, was wir suchen, jenseits jeder Kultur, in uns selbst liegt. Nur dann kann man ergriffen werden und staunen. Schon Jesus hat festgestellt, dass Gott, die Wahrheit nicht im Tempel oder nur im Judentum zu finden ist, sondern inmitten des Menschen, der in der Gemeinschaft lebt, die alle einschlie\u00dft.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Damit Europa nicht zugrunde geht und seine Aufgabe f\u00fcr die Welt erf\u00fcllt, mu\u00df es zur Mystik finden. In diesem Gott, der alle Namen hat, gibt es immer eine Zeit und einen Raum, wo alles m\u00f6glich ist. Da gibt es Platz f\u00fcr Mythos und Wissenschaft, f\u00fcr Aktivit\u00e4t und Passivit\u00e4t fern von anhaftenden Vorstellungen, wo wir uns nicht verschlie\u00dfen brauchen wie die Schnecke, die sich bei jeder Herausforderung in ihr Schneckenhaus zur\u00fcckzieht und somit den Sinn f\u00fcr andere Wirklichkeiten verliert. Sch\u00f6n ist es, wenn ich mitten in unserem Leben, das Gott durch Aktivismus zu verwirklichen sucht, noch die M\u00f6glichkeit einr\u00e4ume, ans Meer, auf den Berg, in die W\u00fcste zu gehen, um die Stille zu h\u00f6ren und mich dabei dem Spiel hingebe, einen neuen Namen f\u00fcr Gott zu finden. Mystische Erfahrung ist Gl\u00fcck und sie macht heimatlos, wobei man das Zuhause \u00fcberall findet. Da hat Gott zwar viele Namen, mit denen man aber spielen und damit wachsen kann, aber an denen man nicht h\u00e4ngen bleibt. Jede Kultur, jeder Mensch schafft sich ein Gottesbild je nach seiner Entwicklungsphase, da die Gottesvorstellung des Menschen und kulturelle Lebensformen sich bedingen. Heute gibt es das Bed\u00fcrfnis, ein neues Gottesbild zu schaffen, das den Anforderungen der Globalisierung entspricht.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Ant\u00f3nio Justo,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hofgeismar, den 7. 5. 2000<\/strong><\/p>\n<p>(1) Die Katholizit\u00e4t, d. h. das Umfassendsein des christlichen Glaubens\u00a0 liegt gerade darin, dass der Glaube Form annimmt in verschiedenen Formen. Die abendl\u00e4ndische Form des Christentums ist nur eine der m\u00f6glichen Formen des christlichen Glaubens.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Der Mythos des ersten europ\u00e4ischen Helden Odysseus, der unter anderen Mythen die Identit\u00e4t Europas formte, w\u00e4re heute noch zu leben (als Programm). Oysseus l\u00e4\u00dft sich an einen Schiffsmast fesseln, um die verf\u00fchrerischen G\u00f6ttinnen, die Sirenen h\u00f6ren zu k\u00f6nnen, und ihnen nicht zu folgen bzw. nicht von ihnen get\u00f6tet zu werden. Er will bewusst leben. Dieser Mythos sagt aus, da\u00df die Leidenschaft durch den Verstand gem\u00e4\u00dfigt wird. Odysseus schaltet das Gef\u00fchl nicht aus, aber durch die Herrschaft des Verstandes \u00fcber das Gef\u00fchl unterliegt er ihm nicht.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Fest steht der Gott der Religionnen wie sie ihm uns darstellen gen\u00fcgt nicht; das Absolute der Philosophie\u00a0 auch nicht; das unendliche Grenzen der Wissenschaft auch nicht<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/strong><\/p>\n<p>Panikkar in &#8220;Gottesschweigen&#8221;. meint: &#8220;<strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Die Rettung liegt aber nicht im Gott. Die Rettung liegt in der Weigerung, irgend eine Philosophie zu einer Ideologie zu machen, die gewissermassen Gott zum Mittelpunkt hat&#8221;&#8221;Gott ist der Urgrund jenseits des Seins und deshalb jenseits jeder auch nur theoretische M\u00f6glichkeit des Zugriffs&#8221;.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Ant\u00f3nio da Cunha Duarte Justo,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vortrag gehalten in der Freien Akademie, \u00a0Hofgeismar, am 7. 5. 2000<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Anwesende! Mit diesem Vortrag m\u00f6chte ich uns die Gelegenheit geben, \u00fcber ein Thema nachzudenken, das noch zu wenig im Bewu\u00dftsein unserer Gesellschaft ist. Dabei k\u00f6nnen nat\u00fcrlich nur einige Aspekte ber\u00fchrt werden, die mir als wichtig erscheinen. 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