{"id":1556,"date":"2010-05-27T16:21:07","date_gmt":"2010-05-27T15:21:07","guid":{"rendered":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=1556"},"modified":"2010-05-27T16:21:07","modified_gmt":"2010-05-27T15:21:07","slug":"familie-im-wandel-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=1556","title":{"rendered":"FAMILIE IM WANDEL DER ZEIT"},"content":{"rendered":"<p><strong> Die Krise in der heutigen Familie <\/strong><\/p>\n<p>Ant\u00f3nio Justo<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Familie unterliegt seit ihrem Entstehen einem <strong>st\u00e4ndigen Wandlungsproze\u00df<\/strong>. Es gab immer schon Krisensymptome. Trotzdem hat die Familie \u00fcberlebt und wird auch weiter \u00fcberleben. Man kann feststellen, da\u00df die wirtschaftliche Entwicklung die Familiengeschichte und das Bild von Familie ma\u00dfgebend bedingt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst verstand man unter Familie die Sippe als Rechts- und Schutzgemeinschaft und nicht als Lebensgemeinschaft. Ab dem 11. Jahrhundert verliert die Sippe an Bedeutung. Die <strong>Abstammungsfamilie<\/strong> wird immer mehr zur <strong>Haushaltsgemeinschaft,<\/strong> die ihr Verm\u00f6gen zusammenhalten und f\u00fcr die Mitglieder nutzbar machen will.<\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert entsteht die<strong> Kern- oder Kleinfamilie<\/strong>.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> Der Ursprung der Kernfamilie im Abendland <\/strong><\/p>\n<p>ist begr\u00fcndet in<\/p>\n<p>1.) einem Personenverst\u00e4ndnis der j\u00fcdisch-christlichen Tradition und in der neuzeitlichen Aufkl\u00e4rung (Emanzipation);<\/p>\n<p>2.) sowie in der Entwicklung des B\u00fcrgertums und der Industrie.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Der schnelle Wandel in der Familie ist eine direkte Folge des wirtschaftlichen Wachstums, das der Kapitalitsmus des 19. Jahrhunderts hervorbrachte.<\/strong> Die moderne Marktwirtschaft ver\u00e4nderte von Grund auf Werte und Verhalten. Sie f\u00fchrte zur Verdr\u00e4ngung der traditionellen Wirtschaft (Familie). W\u00e4hrend die traditionelle Familie <strong>Treue gegen\u00fcber den Vorfahren und den zuk\u00fcnftigen Erben auf Kosten der Selbstverwirklichung forderte, steht jetzt in der Kleinfamilie der materielle Lebensstandard, Individualismus und Selbstverwirklichung im Vordergrund.<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Der neue Staat seinerseits mit seinen Eingriffen in die pers\u00f6nliche Sph\u00e4re zwingt die Familie, ihre Selbstbestimmung und damit ihr Solidarit\u00e4tsgef\u00fchl aufzugeben.<\/p>\n<p>Die Industrie verlangt jetzt Arbeiter, die wie Soldaten rekrutiert werden. Damit entfernt sich die traditionelle Bev\u00f6lkerung voneinander und wird entwurzelt. &#8211; Ein Beispiel daf\u00fcr sind die Arbeitsemigranten und die geforderte Mobilit\u00e4t zugunsten des Arbeitsplatzes.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Logik des Marktes fordert zwingend den Individualismus. Das System hat nur dann Erfolg, wenn jeder Teilnehmer r\u00fccksichtlos seine eigenen Interessen verfolgt. Wirtschaftlicher Egoismus f\u00fchrt zum kulturellen Egoismus. Private Befriedigung wird wichtiger als sich dem Allgemeinwohl unterzuordnen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Der Kapitalismus f\u00f6rderte den Wunsch, frei zu sein, den Wunsch nach pers\u00f6nlicher Unabh\u00e4ngigkeit und sexueller Entfaltung. Geschlechtsverkehr vor der Ehe und Partnerwahl geschieht jetzt auf der Grundlage pers\u00f6nlicher Anziehung (romantische Liebe) anstatt wirtschaftlicher Faktoren. In der Beziehung zwischen Mann und Frau taucht der Wunsch auf, frei zu sein. Interessant ist es zu beobachten, da\u00df reiche Familien der sexuellen Revolution entgingen, weil sie die Werte der Familie \u00fcber alles andere stellten. Die unteren Schichten hatten keinen Besitz zu vererben, daher konnten sie individuelle anstatt famili\u00e4re Ziele verfolgen. Die hochgepriesene &#8220;romantische Liebe&#8221; bedeutete pers\u00f6nliche Selbst\u00e4ndigkeit. Der Mittelstand (Ladenbesitzer, Bauern, kleine Handwerker) klammerten sich an anti-erotische und gemeinschaftsbezogene Werte der traditionellen Gesellschaft, um den Fortbestand des Geschlechts zu garantieren. Mutterliebe war der h\u00f6chste Wert. Im Adel blieben diese Werte noch bis heute erhalten.<\/p>\n<p>Wirtschaftliches Wachstum erm\u00f6glichte es, da\u00df Frauen ihre Rolle als Arbeitskraft in der Produktion mit der Pflege des Kleinkindes vertauschten.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong> Die Kleinfamilie<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Kleinfamilie (Vater, Mutter, 1- 2 Kinder) wurde besonders durch die b\u00fcrgerliche Revolution in der Industriegesellschaft gef\u00f6rdert. Folglich gab es eine Konzentration auf das famili\u00e4re Klima. Arbeitsteilung, pers\u00f6nlicher Wert des Ehepartners, das Vermehren des Familienaggregats beg\u00fcnstigt den Binnenhandel und den Konsum. Idylle und Gl\u00fcck zu zweit. Die Idee von der romantischen Liebe ist nur scheinbar aus einer humanistischen \u00dcberzeugung heraus entstanden, sie ist Ergebnis und gleichzeitg Voraussetzung des neuen wirtschaftlichen Systems.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Konkurrenzdenken wird immer st\u00e4rker. Man strebt ein eigenes Haus an &#8211; fr\u00fcher das Privileg einiger weniger &#8211;\u00a0 und f\u00fcr die Kinder das Hochschulstudium. Alles Erstrebenswerte wird nur auf die eigene kleine Familie begrenzt.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Die heutige Krise der Kleinfamilie verlangt eine neue Reflexion<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>\u00dcberlegt werden mu\u00df, was an den Ver\u00e4nderungen innerhalb des Familienbildes<\/p>\n<p><strong>1. Zerfallserscheinungen sind,<\/strong><\/p>\n<p><strong>2. was \u00c4nderung einer gesellschaftlich bedingten Form bzw. \u00fcberholte Leitbilder,<\/strong><\/p>\n<p><strong>3. und was ein Fortschritt im Hinblick auf einen ganzheitlichen, humanen Anspruch darstellt.<\/strong><\/p>\n<p>Die Familie weist heute eine <strong>religi\u00f6se Entfremdung<\/strong> auf, die uns Sorge bereiten m\u00fc\u00dfte. Verursacht wird diese religi\u00f6se Entfremdung auch berechtigterweise durch unn\u00f6tige H\u00e4rten innerhalb der herk\u00f6mmlichen religi\u00f6sen Institutionen, falsche Akzentsetzung und m\u00e4nnliche Orientierung.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, als die Ehe auf der Zeugung und Erziehung der Kinder aufgebaut war, wurde keine pers\u00f6nliche, reife Entscheidung vorausgesetzt, sondern sie war Resultat der Entscheidung des Familienoberhauptes im Interesse der Sippe.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die alte Familie viel st\u00e4rker durch wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und traditionelle Aufgaben gesichert war, ist die Familie der modernen Gesellschaft viel mehr auf ihre geistigen, seelischen und moralischen Kr\u00e4fte angewiesen. Dies birgt Gefahren und Chancen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>In einer modernen Welt, wo Ehe als Liebes- und Lebensgemeinschaft zwischen den Eheleuten verstanden wird, wird vom Individuum eine gr\u00f6\u00dfere Reife und Bewu\u00dftseinsentwicklung verlangt.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Man l\u00e4uft sogar in der Theologie Gefahr, die Kleinfamilie zu idealisieren. Auch der Satz des II. Vatikanums von der Ehe als Liebes &#8211; und Lebensgemeinschaft zwischen den Eheleuten kann die Idee der Familie als geschlossenem Kern f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Glaube bindet uns nicht an ein Familienmodell <\/strong>oder an eine besondere Ideologie \u00fcber Familie. Er hat Werte aufgrunddessen sich die Familienmodelle orientieren kann.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong> Vorteile der Kleinfamilie<\/strong><\/p>\n<p>Die Kleinfamilie beschleunigt die pers\u00f6nliche Reifung des einzelnen. Die Betroffenen bestimmen ihr eigenes Schicksal, sie sind zu <strong>Selbstverantwortlichkeit und Liebesf\u00e4higkeit <\/strong>aufgefordert. Das Kind wird im Gegensatz zu fr\u00fcher als Frucht der eigenen Liebe verstanden. Lebensvorstellungen m\u00fcssen von der Kleinfamilie selbst verwirklicht werden.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong> Gefahren und Nachteile der Kleinfamilie<\/strong><\/p>\n<p>Unter den Gefahren und Nachteilen der Kleinfamilie ist die <strong>Einsamkeit <\/strong>der Eheleute zu nennen: sie sind allein und ohne Hilfe in ihren Gef\u00fchlskrisen, aufgesaugt in den famili\u00e4ren Verpflichtungen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Kleinfamilie, die sich ausschlie\u00dflich auf der romantischen Liebe aufgebaut hat, steht auf schw\u00e4cheren F\u00fc\u00dfen, weil die sexuelle Zuneigung unbest\u00e4ndiger ist.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Die Frau wird an den Rand gedr\u00e4ngt <\/strong>durch ihre h\u00e4uslichen Verpflichtungen und sich daraus ergebende Absonderung in der Aufgabe, die Kinder zu erziehen. <strong>Dem Vater wird Verantwortung abgesprochen<\/strong>, da er weit weg von der Familie arbeitet in einer immer bedeutungsloseren Besch\u00e4ftigung (z. B. Schichtarbeit). Es entsteht eine <strong>vaterlose Gesellschaft.<\/strong><\/p>\n<p>Es mangelt an sozialen M\u00f6glichkeiten, auch f\u00fcr die Kinder, so da\u00df sie schon in ihrer ersten Kindheit mit Komplexen beladen werden.<\/p>\n<p>Die \u00e4lteren Menschen werden aus dem sozialen Leben ausgeschlossen. Das Zusammenleben der verschiedenen Generationen jedoch w\u00e4re wichtig f\u00fcr eine seelische und geistige Unterst\u00fctzung der J\u00fcngeren.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Nebenprobleme:<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>a) Protest gegen die famili\u00e4re Autorit\u00e4t<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Als Ergebnis dieser industriellen Entwicklung stellen wir einen <strong>Verlust der famili\u00e4ren Autorit\u00e4t <\/strong>fest. Die Jugendlichen lehnen sich gegen die Eltern auf. W\u00e4hrend man fr\u00fcher sein Leben lang an die Eltern gebunden blieb, ist es heute ein erkl\u00e4rtes Ziel, sich von den Eltern gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig zu l\u00f6sen. W\u00e4hrend das Arbeitsleben fr\u00fcher trotz seiner H\u00e4rte, den Menschen als ganzes Wesen forderte und ihm dadurch Sinn gab,<strong> reduziert die heutige Produktionsgesellschaft den Menschen zur Maschine. <\/strong>Dadurch verlieren die Eltern ihre Rolle als Leitbilder. In einer Arbeitswelt, wo der Mensch zu einer maschinenhaften Arbeitsweise gezwungen wird und dabei seine Pers\u00f6nlichkeit und seine W\u00fcrde einb\u00fc\u00dft, ger\u00e4t der Vater in Mi\u00dfkredit vor den Kindern und kann f\u00fcr sie nicht mehr Modell sein.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Eltern b\u00fc\u00dfen ihre Rolle als Erzieher ein. Sie scheinen immer mehr zu Fremden zu werden, nicht mehr zu Vertretern des Familiengeschlechts. Das Elternpaar weist eine wachsende Instabilit\u00e4t auf. Der Einflu\u00df der Familie auf das Kind<strong> <\/strong>geht zur\u00fcck zugunsten des Einflusses der Umwelt: das Fernsehen, die Schule; die Altersgenossen wirken st\u00e4rker auf das Kind ein.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Gesellschaft, in der alles erlaubt ist, verursacht andererseits z. T. ein <strong>verst\u00e4rktes autorit\u00e4res Verhalten der Eltern<\/strong> als Gegengewicht. Dadurch geraten die Kinder und Jugendlichen in einen Zwiespalt.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Auch die Gesellschaft,<\/strong> die von Konsumdenken bestimmt ist, <strong>kann keine Modelle und Leitbilder vermitteln.<\/strong> Menschenbilder sind mit Weltbildern verbunden. Wenn man sie reduziert auf individuelle, subjektive Bilder, z. B. Leben ausschlie\u00dflich im Hier und Jetzt, materieller Wohlstand usw. wird ein verl\u00e4\u00dfliches Menschenbild ausgel\u00f6scht. Die Gesellschaft klammert sich jetzt immer mehr an Bilder bzw. Werte der Massenmedien, Werbung etc. <strong>Die anonyme Gesellschaft konfrontiert den Menschen nur noch mit sich selbst als Individuum. Die Familie wird zum isolierten Kern und wird zudem als Werkzeug dieser Industriegesellschaft ben\u00fctzt.<\/strong> Die Konsumgesellschaft hat Interesse daran, da\u00df es \u00fcberwiegend Kleinfamilien oder gar Singles gibt, weil dies den Konsum steigert, z. B. es werden mehr H\u00e4user, Wohnungen, Einrichtungsgegenst\u00e4nde usw. gebraucht. Auch der Nahrungsmittelverbrauch ist bei Singles bzw. in Kleinfamilien h\u00f6her als in Gro\u00dffamilien.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Parteien, Kirchen und Verb\u00e4nde machen im allgemeinen nichts gegen den Orientierungskonflikt zwischen beruflicher Entfaltung und Familiensinn. Die Arbeitswelt verlangt ebenso wie die Familie den totalen Einsatz.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>b) Frauenemanzipation:<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Frau identifiziert sich nicht mehr nur mit der Mutter- und Gattinnenrolle. Die industrielle Revolution erm\u00f6glichte ihr<strong> Selbstbestimmung,<\/strong> so da\u00df sie die Ehe auch als ein Instrument der Unterdr\u00fcckung und Entfremdung erlebt. Der Mann nimmt die Frau nicht nur als Hausfrau wahr, sondern auch als Kollegin und Partnerin in sozial anerkannten Bereichen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Zeiten stellen wir eine <strong>Aufwertung der weiblichen Sexualit\u00e4t<\/strong> fest. Sexualit\u00e4t wird begriffen als Mittel des Dialogs, der nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Familiengr\u00fcndung und der Ehe gesehen wird. Dies bringt die Frau auch aus ihrer passiven Rolle heraus. Sie wird zur verantwortlichen Person und eigenst\u00e4ndigen Partnerin.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Frau hat nicht nur eine relative Gleichberechtigung erreicht, sondern es entstand auch <strong>eine Verwischung der Unterschiede zwischen Mann und Frau<\/strong>. Die Emanzipation wurde zweifellos sehr stark durch die Industriegesellschaft vorangetrieben. Hier mu\u00df die Frau aufmerksam sein, da\u00df ihr nicht das gleiche geschieht wie dem Mann, d. h. da\u00df die Frau nicht wie der Mann nach dem M\u00e4nnerbild der Industriegesellschaft umfunktioniert wird. Die unterschiedlichen F\u00e4higkeiten von Mann und Frau sollten als Bereicherung wahrgenommen werden.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Eine wohlverstandene Emanzipation der Frau, die aus einem Personen- und Individualit\u00e4tsbewu\u00dftsein kommt, w\u00fcrde zu einer geistigen Vertiefung des einzelnen und zu einer reiferen zwischenmenschlichen Beziehung f\u00fchren. <strong>Dies k\u00f6nnte auch die innere Entfaltung des Mannes als Folge haben.<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong> Konstruktive Kritik<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Wir leben in gewisser Weise in einer totalit\u00e4ren Gesellschaft, in der die Bed\u00fcrfnisse manipuliert bzw. k\u00fcnstlich geschaffen werden durch Industrie, Massenmedien und Politik mit dem Ziel, mehr Konsum und Abh\u00e4ngigkeit bzw. Z\u00fcgelung des Menschen zu erreichen. Dabei soll das kritische Denken ausgeschaltet werden. Dahinter steckt die <strong>Absicht, den Menschen einfacher handhaben zu k\u00f6nnen. Der Mensch kommt dahin, da\u00df er auf die menschliche W\u00fcrde verzichtet.<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Gesellschaft und Politik, teilweise auch die Religion werden von Technik und Wirtschaft beherrscht. Sie bedingen und kontrollieren die gesellschaftliche Anpassung der Massen. B\u00fcrokratie wird immer weniger zum Dienst und immer mehr zur Kontrolle.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Politiker sehen die Familie haupts\u00e4chlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, z. B. als Institution zur kosteng\u00fcnstigen Kinderpflege. Die Familie wird nicht ernstgenommen bzw. als Werkzeug benutzt durch eine falsch verstandene sozialdemokratische Sozialpolitik (Familie als \u00dcberbleibsel von Konservativismus und Bourgoisie), die sich verbinden mit den Neokonservativen, die in der Familie eine M\u00f6glichkeit sehen, ihre Mi\u00dfwirtschaft zu retten. \u00d6konomische Defizite sollen von der einzelnen Familie ausgeglichen werden, z. B. indem sie weitgehend f\u00fcr die Erziehung und das Studium der Kinder aufkommen mu\u00df, ebenso bei der Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr Eltern oder Kinder im Falle von Arbeitslosigkeit und Abgleiten in die Sozialhilfe etc.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Die Gesellschaft lebt von der Spannung zwischen individuellem Wohl und Allgemeinwohl. <\/strong>Es w\u00e4re eine T\u00e4uschung zu glauben, da\u00df das Allgemeinwohl lediglich die Summe des pers\u00f6nlichen Wohls aller ist.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Industriegesellschaft leidet an Entseelung, Anonymit\u00e4t, Vereinsamung, B\u00fcrokratisierung und Allmacht des Staates. Hier hat die Familie eine <strong>besondere Aufgabe zum Schutz der Pers\u00f6nlichkeit, Freiheit, Moral und hat eine unmittelbare Verantwortung bei der Zukunftsgestaltung. <\/strong>Sie ist die einzige Institution, die durch alle Zeiten hindurch bleibt. Das Wohlergehen der Person und Gesellschaft sind vom Wohlergehen der Ehe und Familie abzuleiten.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Familie k\u00f6nnte bewu\u00dft als <strong>Gegenpol zu einer immer gleichf\u00f6rmiger werdenden Gesellschaft <\/strong>gef\u00f6rdert werden. Das setzt ein anderes Bewu\u00dftsein von Gesellschaft und Verantwortung gegen\u00fcber der Gesellschaft und der Individuen voraus. Sie sollte Ma\u00dfstab der gesellschaftlichen Entwicklung sein, und nicht der Entwicklung hinterherlaufen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Vorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Es ist eine kind- und <strong>familiengerechte Stadtplanung<\/strong> n\u00f6tig, wo Lebensr\u00e4ume und gesellschaftliche Entfaltungsm\u00f6glichkeiten geboten werden, so da\u00df Familien in eine lebendige Gemeinschaft hineinwachsen, wo sich Vater, Mutter und Kinder in einer Vielf\u00e4ltigkeit von Modellen ausdr\u00fccken k\u00f6nnen und wo Kinder die M\u00f6glichkeit haben, sich mit der Erwachsenenwelt zu identifizieren. <strong>Es ist eine Ausweitung der Familie notwendig, <\/strong>so da\u00df Kinder nicht nur an die eigene Familie gebunden sind. W\u00fcrde die Isolierung der Familie aufh\u00f6ren und in gr\u00f6\u00dferen Gemeinschaften, z. B. in Wohngebietsgemeinschaften tats\u00e4chlich eingebettet sein, k\u00f6nnte sich jeder sinnvoll mit seinen F\u00e4higkeiten einbringen und nach au\u00dfen wirken. Ein extremes Beispiel daf\u00fcr w\u00e4re <strong>eine Art Kibbuz.<\/strong> Wenn eine solche Form des Zusammenlebens auch nicht das Erstrebenswerteste sein mu\u00df, k\u00f6nnte die Gesellschaft doch st\u00e4rker in diese Richtung gehen. Dies w\u00fcrde sich auch dahingehend auswirken, da\u00df ein famili\u00e4rer Egoismus und die famili\u00e4re Abkapselung abgebaut werden. Neue Gef\u00fchlsbindungen k\u00f6nnten dabei entstehen mit dem Ziel einer interfamili\u00e4ren Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wir brauchen ein neues Gef\u00fcge von M\u00f6glichkeiten, in dem die Familie sich entfalten kann.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die St\u00e4rkung der Familie setzt auf der \u00e4u\u00dferlichen Ebene voraus: Arbeitszeitverk\u00fcrzung und eine andere Arbeitszeitverteilung, familienfreundliche Wohnungsbaupolitik, die nicht nur die Kleinfamilie im Blickfeld hat, sondern auch ein Zusammenleben mehrerer Generationen erm\u00f6glicht, au\u00dferdem finanzielle Verbesserungen f\u00fcr Familien und mehr Bildungs- und Berufschancen f\u00fcr Frauen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong> Schlu\u00dffolgerungen<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>In der Familie findet der Austausch der G\u00fcter und Dienste auf der Grundlage der Liebe statt. Das Ideal w\u00e4re, <strong>in der Familie einen vollkommenen Kommunismus nach der Formel zu praktizieren: Jeder gibt nach seinem K\u00f6nnen und jeder erh\u00e4lt nach seinem Bedarf.<\/strong> Dies bedeutet Ansporn zu Selbstlosigkeit, Hingabe, Opferbereitschaft und Selbst\u00fcberwindung. Die Familie wird zu einem <strong>Ort, in dem Empfindungen und \u00dcberzeugungen gemeinsam gelebt und auf die kommende Generation \u00fcbertragen und im Alltag verwirklicht werden.<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Familie weist hinaus auf die <strong>Menschheitsfamilie,<\/strong> da in ihr der <strong>Grundstein <\/strong>gelegt wird f\u00fcr das Verbundensein mit anderen Menschen und sie ist gleichzeitig <strong>Symbol der Einheit.<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Dom Helder C\u00e2mara sagt: &#8220;Entscheidet Euch ein f\u00fcr alle Mal f\u00fcr die Menschheitsfamilie. Lebt im Ma\u00dfstab der Erde oder besser noch des Universums.&#8221;<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Ant\u00f3nio da Cunha Duarte Justo<\/strong><\/p>\n<p>Vortrag in der Stadthalle Baunatal<\/p>\n<p><strong>April 1992<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Krise in der heutigen Familie Ant\u00f3nio Justo Die Familie unterliegt seit ihrem Entstehen einem st\u00e4ndigen Wandlungsproze\u00df. Es gab immer schon Krisensymptome. Trotzdem hat die Familie \u00fcberlebt und wird auch weiter \u00fcberleben. Man kann feststellen, da\u00df die wirtschaftliche Entwicklung die Familiengeschichte und das Bild von Familie ma\u00dfgebend bedingt. Zun\u00e4chst verstand man unter Familie die Sippe &hellip; <a href=\"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=1556\" class=\"more-link\">Continuar a ler <span class=\"screen-reader-text\">FAMILIE IM WANDEL DER ZEIT<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[4,5,7],"tags":[],"class_list":["post-1556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-educacao","category-escola","category-politica"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1556"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1557,"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1556\/revisions\/1557"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/antonio-justo.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}