{"id":1514,"date":"2010-04-08T19:59:38","date_gmt":"2010-04-08T18:59:38","guid":{"rendered":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=1514"},"modified":"2010-04-08T19:59:38","modified_gmt":"2010-04-08T18:59:38","slug":"wohin-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antonio-justo.eu\/?p=1514","title":{"rendered":"WOHIN DEUTSCHLAND?"},"content":{"rendered":"<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong> Der Verrat am deutschen Idealismus<\/strong><\/p>\n<p>Ant\u00f3nio Justo<\/p>\n<p><strong>Die Geschehnisse vom 9. November 89, die eine Chance f\u00fcr eine geistige Erneuerung darstellen, werden einseitig umgeleitet in Chancen f\u00fcr Wirtschaftlichen Profit. Deutschland verleugnet seine eigene geistige, idealistische Tradition, die auf dem Gedankengut Lessings, Goethe, usw. beruht. Die Krise des Kommunismus und Kapitalismus k\u00f6nnte neue Wege offnen. Ziel w\u00e4re eine Synthese. Eine Gesellschaft ohne Utopien und eine Politik ohne Moral entwickeln sich nicht mehr.<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Die Verbindung des m\u00e4nnlichen und weiblichen Elements<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Am 9. November die Mauer f\u00e4llt. Die Ereignisse in Berlin \u00e4hneln einer Hochzeitsfeier, bei der sich Mann und Frau in ihrer Verschiedenheit verbinden. Die Feier hatte kaum begonnen, da h\u00f6rte man schon laute Stimmen von Berauschten, die im alten Stil die Szene beherrschten: \u201eSieg des Kapitalismus \u00fcber den Sozialismus\u201c, \u201eJesus lebt, Marx ist tot\u201c, \u201eDeutschland Deutschland\u201c, \u201eWestmark ist Freiheit\u201c.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Das Geschehen ist nicht mehr die Sache der Brautleute, jetzt ist die Stunde der Hochzeitsh\u00e4ndler, und diese sind interessiert an einer Bindung im alten Stil, wo der Man (Westen) der Herr ist und die Frau (Osten) eben das \u201eWeib\u201c sein soll, Gegens\u00e4tze anstatt Komplementarit\u00e4t.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Schlechter noch: sie wird entkleidet und zu Prostituierten gemacht, was sie akzeptiert ohne ihren Wert zu erkennen. Der gemeinsame Tempel wir entweiht und \u00e4hnelt einer Markthalle, in der die Profis des Marktes die Gunst der Stunde nutzen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Materialistische Ausnutzung<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Das Vakuum in der DDR wird eilig zugunsten parteipolitischer Interessen gebraucht, wobei der Verfassungsnationalismus als Fahrzeug benutzt wird, such wenn dies die Deutsche Einheit beeintr\u00e4chtigt. Die notwendige konzentrierte Aktion aller Kr\u00e4fte in der BRD wird von den Parteien abgelehnt, die ausschlie\u00dflich materielle Probleme thematisieren. Sie zeigen einen Widerspruch zwischen Einigungsstreben und Handlungsstrategien. Parteipolitische Interessen \u00fcberwiegen, so dass eine Maklerpolitik, die sich nur um das Gesch\u00e4ft und nicht um das Ganze k\u00fcmmert, eingetreten ist und \u00c4ngste sch\u00fcrt.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die gel\u00e4hmte \u201eMittelschicht\u201c der DDR f\u00fchlt sich in einem ungleichen Wettbewerb mit dem Westen und spricht von Ausverkauf der DDR. Die EG hat Angst, einen ungez\u00fcgelten Riesen an ihren Tisch zu bekommen; die USA m\u00f6chte nicht ihre Vormachtstellung in der Welt zugunsten Europas abgeben und spricht mit den Siegerm\u00e4chten von der Destabilisierung Europas. Die Sowjetunion sieht im Hause Europas ihre Chance; die BRD stellt sich die Frage, wer die Karre Europas ziehen wird (Deutschland oder die Sowjetunion) und vertraut auf die St\u00e4rke und Anziehungskraft de D-Mark.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Dregger geht weiter: \u201eWie sind das Volk und das Land in der Mitte Europas\u201c und kn\u00fcpft\u00a0 an die Bismarck\u2019sche und Wilhelminische Tradition an, womit er die Treue zur Verfassung, was die Grenzen Deutschlands vor 1937 betrifft, nicht nur den Republikanern und Co. \u00dcberlassen will.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Viele Ausl\u00e4nder, die hier wie dort gemeinsam mit Deutschen auf die Strasse gingen mit der Forderung nach Freiheit und um mitzufeiern, bekommen langsam kalte F\u00fc\u00dfe, weil da Zusammenwachsen beider Staaten zu einer Nation ohne die Ausl\u00e4nder geschehen soll. Sie sp\u00fcren schon mehr Ungeduld ihnen gegen\u00fcber (trotz der traditionellen Gleichg\u00fcltigkeit) in der deutschen Bev\u00f6lkerung und auf Staatsebene beim Entwurf f\u00fcr das Ausl\u00e4ndergesetz, das in nationalistischer Abwehr konzipiert wird.\u00a0 Die Verdr\u00e4ngung der Ausl\u00e4nder\/innen ist sch\u00f6n sp\u00fcrbar. Was dann, wenn die Lohnabh\u00e4ngigen den Preis f\u00fcr die Vereinigung bezahlen m\u00fcssen! Besorgniserregend ist das ausl\u00e4nderfeindliche Potential der DDR und der Gettobildung von Ausl\u00e4ndern.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Viele Ausl\u00e4nder\/innen und viele andere Kr\u00e4fte haben mit der \u00dcberwindung der Trennung Deutschlands die \u00dcberwindung de inneren Mauern zwischen Deutschen und nicht Deutsche, und zwischen Ausl\u00e4nder und Ausl\u00e4nder erhofft, ebenso wie die \u00dcberwindung der Teilung Europas und der Welt. Die Politik aber setzt auf \u201eTeile um zu herrschen\u201c.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Geistige Tradition Deutschlands<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Mit den deutschen Geschehnissen g\u00e4be es die Chance, neue Impulse und alternativen f\u00fcr die Weltpolitik zu schaffen, die in einem positiven Sinn den Deutschen Stempel (Ankn\u00fcpfung an die alte deutsche Kultur, deutsche Idealismus) tragen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Immer mehr zeigt sich die Hervorhebung des Materialismus und die Unterdr\u00fcckung des Idealismus \u2013 letzterer ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Kultur \u2013 weil versucht wird, das Recht aus der \u00e4u\u00dferlichen St\u00e4rke und den Besitz abzuleiten, und damit wird die Kraft des Geistes verdr\u00e4ngt. Die Chance f\u00fcr eine neue Gesellschaft wird nicht wahrgenommen, weil nur die m\u00e4nnlichen Werte zur Geltung kommen; ich w\u00fcrde sagen, gerade die Werte, die nicht eindeutig deutsch waren<strong>. Was wir vorfinden, ist die Zuspitzung des r\u00f6mischen Dogmatismus und Formalismus, des franzosischen Rationalismus und Sekularismus (Skeptizismus) und des englischen Pragmatismus. Vergessen wird gerade, was die deutsche Aufkl\u00e4rung vom Leibnitz, Lessing, Goethe, Schiller, Hegel, Heidegger, und Nietzsche f\u00fcr die Welt bedeutet hat, n\u00e4mlich einen Versuch, ein h\u00f6here Synthese von Griechentum und Christentum zu schaffen, der eine Art Weltb\u00fcrgertum als Ziel hat. (Vgl. mystisches Christentum, Trinit\u00e4t, Trialog statt Dialog\u2026). Verrat an Deutschland!<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Einheit Deutschlands soll nicht auf kosten ihres freien Menschentums geschehen, warnt uns Goethe, wen er sagt: \u201eZur Nation euch zu bilden, ihr hofft es, Deutsche vergebens; bildet, ihr k\u00f6nntet es, daf\u00fcr freier zu Menschen euch aus\u201c.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Synthese von Sozialismus und Kapitalismus<\/strong><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Die Novemberrevolution wird das n\u00e4chste Jahrhundert bestimmen, das das Jahrhundert Europas sein wird. Das neue Zeitalter, in dem die Welt zusammenr\u00fcckt, kann keine \u00c4ra des Nationalismus und der reinen Ideologien werden.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Der\u00a0 Osten kapituliert, der Westen krankt an Ideologien und Ethik und bietet wenig Zukunftsperspektiven (Armut, \u00d6kologie, kein Recht auf arbeit, Sinnlosigkeit), es fehlt an geistige Anziehungskraft: unsere Philosophie versinkt zu Agnostizismus und Materialismus, Religiosit\u00e4t kehrt sich um in G\u00f6tzendienerei; die pers\u00f6nliche Moral wird von Egoismus bestimmt und die soziale Moral von Interessen Gruppen diktiert.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Was bleibt? Die Praxis als Orientierung?!&#8230;\u00a0 hier wie dort mangelt es an der Realisierung hoher Ideen. Es mangelt an ein geistiges Dach. Der Sozialismus zeigte sich als Kind des Christentums in ihren Ursprung und Schicksal. <strong>Wie das Christentum scheint der Sozialismus nur als Idee existiere zu k\u00f6nnen, nicht als Praxis. Man konnte zusammenfassend sagen: die \u201eSED\u201c verh\u00e4lt sich zum Kommunismus wie die CDU\/CSU zum Christentum.<\/strong> Sie nutzen sie aus, und dadurch schaffen sie Entt\u00e4uschung und Verneinung des eigenen Selbstverst\u00e4ndnisses.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Im Moment bewegt sich viel an der Oberfl\u00e4che, das Rad einer echten Entwicklung steht aber still. Werte wie Freiheit werden als Glaube (abstrakte Gedanke) dargestellt und somit als reine wirtschaftliche und Marktfreiheit begriffen. Es wird vergessen, dass sich die Freiheit aus einem Leben der Erkenntnis ergibt. Eine neue Weltpolitik soll von Freiheit des Glaubens zur Freiheit der Gesinnung und Verantwortung in der Tat kommen.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>In der Krise von Ost und West liegt viel Hoffnung und viele Chancen f\u00fcr die Entwicklung der Menschheit.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Daf\u00fcr brauchen wir eine h\u00f6here Synthese von Kapitalismus und Sozialismus, besser gesagt, von \u201e\u00d6stlichem\u201c und \u201eWestlichem\u201c. Daf\u00fcr ben\u00f6tigen wir einen universellen Geist, eine ganzheitliche (\u00fcbernationale) Gesinnung, die ihre Ans\u00e4tze im Geist des deutschen Idealismus finden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>Zwar hatte Deutschland bis Mitte des 19. Jahrhunderts einen geistig hohen Rang in der Welt, als die Identit\u00e4t und das Selbstverst\u00e4ndnis dieser Kultur noch nicht von der Triebkraft des Blutes und des Bodens abgeleitet wurde.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>In der heutigen Diskussion scheint man die Kraft vom Mythos des Goldenen Westens herzuleiten. Vergessen\u00a0 wird dabei die eigene Tradition. Deutschland scheint weiterhin gefesselt bleiben zu wollen\u2026<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><strong>Ant\u00f3nio da Cunha Duarte Justo<\/strong><\/p>\n<p>Ehemalige Chefredakteur von Gemeinsam<\/p>\n<p><strong>In GEMEINSAM, Zeitschrift des Ausl\u00e4nderbeirats der Stadt Kassel, Nr. 6, M\u00e4rz 1990<\/strong><\/p>\n<p><strong>https:\/\/antonio-justo.eu\/<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verrat am deutschen Idealismus Ant\u00f3nio Justo Die Geschehnisse vom 9. 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